Wir spielten früher oft gerne diverse Spiele. Beliebte Spiele waren Maumau, Schwimmen, Monopoly oder die Genius-Version von Trivial Pursuit (also das, wo man nur jede vierzehnte Frage beantworten kann, und die, die man richtig hat, meist die gut geratenen Fifty-Fifty-Fragen sind).

Manchmal haben wir aber auch nur ganz klassisch “Stadt Land Fluss” gespielt. Da wir alle rechte Nieten waren, was Erdkunde angeht, haben wir Flüsse, Seen, Berge und den ganzen Kram der das Spiel ausmacht einfach weggelassen, und ihn durch “Band” ersetzt (gerne auch Solo-Künstler).
Während die anderen sich eher ans Abgucken hielten, war mein Vater immer der, der sich gerne mal Dinge ausdachte, die es gar nicht gab, wenn ihm sonst nichts einfiel. Beispielsweise gab er als Land mit “M” gerne “Monawamba” an. Er meinte immer sehr überzeugt, das gibt es wirklich, und wir sollen doch mal im Atlas schauen (was natürlich keiner tat). Bei “S” gab er als Band immer “Schwoißfuaß” an, wofür er natürlich auch nie Punkte bekam, weil es schließlich keine Band namens “Schwoißfuaß” gab.

Zehn Jahre später.

Wir hatten vor einiger Zeit einen nostalgischen Moment beim Abendessen, als wir ausnahmsweise nach dem Umzug mal alle an den Tisch bekamen. Wir redeten von Dingen, die wir lustig fanden, beispielsweise als meine Schwester mit vier, fünf Jahren meinem Bruder Enthaarungscreme auf den Kopf schmierte, und er danach ewig lang mit einer Halbglatze herumlaufen musste und alle im Kindergarten dachten, er habe Krebs. Oder als meine alzheimerkranke Oma den Pfarrer gerufen hatte, weil sie dachte, sie habe Jesus im Klofenster gesehen.
Unter anderem hatten wir es auch von meinem Vater, wie er sich ständig durch “Stadt Land Fluss” mogelte, weil er Wörter wie “Monawamba” oder “Schwoißfuaß” erfand. Wir lachten immer noch und winkten ab, als er erklärte, dass es “Schwoißfuaß” wirklich gibt.

“Guckt doch mal in Eurem Internet”, meinte er dann irgendwann mal (man muss hier hinzufügen, dass mein Vater nicht weiß, was das Internet eigentlich ist, aber dass man darin alles finden kann), als wir uns zum x-ten Mal darüber lustig machten. Bei “Schweißfuß” fanden wir, abgesehen vom Wikipedia-Artikel hierzu, nichts. Mein Vater bestand darauf, weiterzusuchen. Im Dialekt.
Ganz schön albern – aber tatsächlich (als wir herausfanden, wie man “Schweißfuß” auf schwäbisch schreibt) tauchte es auf: “Schwoißfuaß (hochdeutsch: Schweißfuß) war eine 1979 von dem aus dem oberschwäbischen Bad Schussenried stammenden Alex Köberlein gegründete Rockgruppe, die Lieder mit schwäbischen Texten sang.” Seitdem haben wir nie wieder einen Witz über seinen Stadt-Land-Fluss-Beschiss gemacht. Auch wenn es Monawamba mit Sicherheit immer noch nicht gibt und wir fanden, dass “Schwoißfuaß” der beschissenste Bandname ist, den man sich wohl ausdenken kann.

Etwas später.

Die CD, die wir meinem Vater schenkten, war vom Design her stark an die Achtziger angelehnt, was daran lag, dass die ursprüngliche Schallplatte, jetzt CD, tatsächlich aus den Achtzigern stammte (1986, um genau zu sein). Wir konnten es kaum glauben, aber es war wahr.

Wenn man jetzt mal hochrechnet, wie oft er für Schwoißfuaß keine Punkte bekam, ist das im Nachhinein wahrscheinlich ganz schön mies. Aber er hat ja eh immer gewonnen.

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Meine Nacht war beschissen, und der Tag fing beschissen an. So sehe ich aus, wenn ich morgens aufstehe, dusche, wieder ins Bett gehe, schlafe und wieder aufstehe (sechs Stunden später). Meine Frisur sympathisiert mit der Farbe unserer Kacheln und dem Bademantel. Heute lag ich flach – und das bei vierunddreißig Grad in Stuttgart.
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Bei stiller habe ich einen Blogeintrag über die zehn besten deutschen Lyrics entdeckt – eine Idee, die ich schön fand, weil man deutschen Texten oft zu wenig Beachtung schenkt.
Es war ein wenig schwierig, aus meiner “breiten” Auswahl an deutscher Musik das Passende zu finden, aber letztendlich habe ich es doch geschafft. Es folgen also zehn Textausschnitte aus Liedern, die mich beeindrucken, berühren oder die mir viel bedeuten, weil sie zu bestimmten Zeiten in meinem Leben eine Rolle spielten.

Niemand, siehst du’s, ich wachse nicht mehr
Meine Hände sind Füße, Niemand, schau her
Bald bin ich nichts und das was dann bleibt
Ist deine Wenigkeit

(Sophie Hunger – Walzer für Niemand)

Halt mich fest
Mit Gefühl
Es ist so schön, wenn du lachst

(MIA. – Tanz der Moleküle)

Ich brauche tiefste schwarze Nacht hinter meinen Lidern
Ein Gift gegen den Schmerz in meinen Gliedern
Ich brauch einen Schuss Feuer in meine Venen
Ich brauch eine Bahre, Blaulicht und Sirenen

(Wir sind Helden – Bring mich nach Hause)

Man kann die Welt nicht verstehen
Weil man sich selbst nicht begreift

(Clueso – Herz Boom Boom)

Und dann verlass’ ich deine Stadt
Ich seh’ zurück und fühl mich schwer
Weil gerade angefangen hat
Was du nicht willst
Und ich zu sehr
Ich bin der Regen
Und du bist das Meer

(Juli – Regen und Meer)

Ein Wort zuviel im Zorn gesagt
Schritt zu weit nach vorn gewagt
Schon ist es vorbei
Was auch immer jetzt getan
Was ich gesagt hab’ ist gesagt
Und was wie ewig schien ist schon Vergangenheit

(Wolfsheim – Kein Zurück)

Und der Mensch heißt Mensch
Weil er irrt und weil er kämpft
Und weil er hofft und liebt
Weil er mitfühlt und vergibt
Und weil er lacht
Und weil er lebt
Du fehlst

(Herbert Grönemeyer – Mensch)

Wie’s dir gefällt, irgendwas geht immer
Wie tief du noch fällst, du hast keinen Schimmer
Deine Angst nagelt dich an dein Bett in dein’m Zimmer
Und du hast was dagegen, das macht es noch schlimmer
Du erhöhst deine Dosis unmerklich
Und denkst dir immer wieder: „Irgendwann werd ich …“
Mal ehrlich, wer merkt nicht, wie tief er im Dreck steht
Doch wenn’s weh tut, weißt du wie’s weg geht

(Die Fantastischen Vier – Flüchtig)

Ich hab kein’ Bock mehr, die blöden Medikamente zu nehm’
Seh zu den alten Photos rüber, die am Fensterbrett stehen
Ich mit Inge frischverliebt am Markusplatz
Die Einschulung von David, das Bild von ihm zum Vatertag
Die Firmenurkunde, die ich zur Rente bekam
Und ich vorm Weihnachtsbaum mit meinem Enkel im Arm
Vor meinen Augen zieht nochmal mein ganzes Leben vorbei
Ich wollte so vieles machen und hatte so wenig Zeit
David lächelt mich an, Inge hält meine Hand
Und ich will nur noch schlafen
Man bin ich müde, verdammt

(Blumentopf – Manfred Mustermann)

Wenn Finsternis den klaren Blick verhüllt
Kein Sinn mehr eine Sehnsucht stillt
Ruf’ ich mir herbei
Den einen Traum
Der sich niemals erfüllt

(Joachim Witt – Die Flut)

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Mit einer sechsköpfigen Familie Urlaub zu machen ist nicht einfach zu organisieren und schon gar nicht supereasy zu finanzieren. Darum machten meine Familie und ich in den Sommerferien folgendes: wir kauften uns einen VW-Bus und fuhren nach Frankreich. Spanien. Für drei Wochen. Das war super, weil man nie wusste, was passiert.

Ein Hotel kannte ich nur von innen, weil einer unserer VW-Busse, der über und über mit Window-Color-Pokémon beklebt war, mitten auf der Autobahn vor Freiburg auf unserer Rückfahrt gen Heimat liegenblieb. Der ADAC schleppte uns ab, gab uns zwei Doppelzimmer und einen Ersatzwagen.

Demnach war ich auch sehr gespannt auf meinen ersten Urlaub im Juni auf – tadaaa – Mallorca, in Can Picafort. Ich kannte Mallorca nur aus dem Fernsehen mit diesem Ballermann-Kram, aber Menschen, die dort waren, bestätigten mir, dass es dort wunderschön ist. Und so gingen wir.

Mein Freund und ich haben uns auch das beste Wetter ausgesucht. Von acht Tagen hat es fünf eigentlich nur gegossen wie aus Kübeln. (Der Chef hingegen hatte die Woche darauf zwei Wochen Sonnenschein.) Daraus ergab sich, dass wir so viel nicht machen konnten. Wir waren zwei Mal aus Wettergründen in Palma de Mallorca, ein Mal erwischten wir etwas Sonne und fuhren auf der Insel mit Fahrrädern durch “naturbelassene” Anlagen und hatten einen einigermaßen sonnigen, aber sehr schönen Strandtag. Und weil es mit dem Scheißwetter nicht aufhören wollte, wanderten wir eben im Regen.
Am wärmsten und hellsten Tag der Woche, und da hatten wir auch wirklich Glück, machten wir eine Inselrundfahrt. Mit dem Bus durch die Berge, weiter mit dem Schiff, dann mit einer alten Bahn zurück gen Palma und dort wieder mit dem Bus nach Hause. Es war wirklich fantastisch.

Das mit Mallorca und dem Tourismus hatte ich auch irgendwo im Hinterkopf. Aber dass es so präsent sein würde, irgendwie habe ich das nicht gedacht. Okay, ich bin in dieser Hinsicht relativ unerfahren und naiv, aber – wenn ich mit meiner Muttersprache weiter komme als mit Spanisch oder Englisch, ist das wirklich seltsam. Ebenso die Speisenauswahl. Sehr Deutsch und sehr British, sehr viel Schnitzel und Pommes und Beans on Toast. Was überhaupt nicht unsere Intention war – weshalb wir tagtäglich auf der ewigen Suche nach Restaurants, die uns Gerichte aus ihrem Land bieten konnten, waren. Überhaupt eben, dass alles so auf den Touristen abgestimmt war, hat mich eher abgeschreckt als angezogen.

Trotzdem hatte ich acht wunderbare Tage auf dem regnerischen Mallorca. Ich mochte es, mal wieder zu fliegen, mochte die Erfahrung, in einem Hotel zu wohnen und natürlich, den Urlaub mit einem lieben Menschen zu teilen. Im September habe ich dann eher das Sparprogramm – da geht’s erst mal zwei Wochen nach Kenia zu meinem Bruder. Wird wahrscheinlich weniger komfortabel und schon gar nicht regnerisch – hoffen wir, dass meine biometrischen Bilder aus dem Fotofix für die Reisepass-Erstellung angenommen werden. Und noch viel wichtiger: dass das Ding in vier Wochen fertig wird.

Im Anhang: Bilder. Für Großansicht, bitte klicken.
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Mein Zimmer besteht momentan aus meinem Hochbett, meinem Schreibtisch, meinem sehr wackeligen Regal und meiner alten Nähmaschine, auf der der Fernseher steht. Das ist viel, wenn man kein Hochbett hat. Aber nicht wirklich viel, wenn man ein Hochbett hat. Ich habe quasi noch die Hälfte meines Zimmers frei.

Deswegen habe ich meine vorzeigbaren Bilder aufgehängt. Um die Leere des Zimmers zu füllen. Alle anderen, auf denen meine Menschen sehr alienähnlich aussehen, müssen noch irgendwie fertig gestellt werden.

P.S.: Super mit Augenmaß und so, oder? (Ich habe nur zwei Mal die Nägel neu eingeschlagen und lediglich das linke ist etwas gerade gephotoshopped.)

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Das kann ich auch. Das Schweinegesicht bin übrigens ich.

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Manchmal, wenn ich mich bei GMX einlogge, bemerke ich die angeteaserten hochwertigen Artikel, die bei GMX eben so erscheinen. Heute: “Diese Jobs finden Männer sexy“. Natürlich interessiert mich, wie sexy ich bin, und hoffe, dass ich als Grafikerin mit aufgelistet bin … bin ich aber nicht, was heißt, dass ich nicht sexy bin und unbedingt den Beruf wechseln sollte.
Hab aber auch eine Top-Auswahl … hier die zehn sexiesten (“meinten Sie: heißesten“?) Berufe nach GMX und: meine Chance!

Platz 10 – Juristin: Juristin. Wohl eher nicht … ich fand Gesetzestexte zu lesen damals in BWL schon furchtbar. Das liegt wohl daran, dass man erst mal einen Dolmetscher braucht, bis man Gesetzestexte versteht (oder BWL einfach eine riesige Grauzone ist). Aber BWL ist sowieso doof. Blöd! Scheiße. Absolut. (Ich könnte hier noch stundenlang weiterphilosophieren und meine BWL-Antipathie ausleben.)

Platz 9 – Polizistin: Als Polizistin braucht man wahrscheinlich eine gewisse Dominanz. Deswegen brauchen wir an dieser Stelle nicht weiter darüber zu reden.

Platz 8 – Masseurin: Das Durchkneten anderer Menschen überlasse ich anderen.

Platz 7 – Ärztin: Bio war unter anderem mein schlechtestes Fach – sogar nach Sport. (Und BWL. Bäh, BWL.) Ich verstand nie, warum man eine Blutgruppe nicht unbedingt mit anderen mischen sollte und wie ein DNA in Form einer Doppelhelix aufgebaut ist und welche Basen da drin sind und … (Ich weiß anscheinend doch ein bsischen was. Der Fakt aber ist, dass ich anstatt “Helix” erst “Rolex” schreiben wollte.) Das sagt einiges über meine Kompetenzen in diesem Bereich aus. Wahrscheinlich würden alle sterben.

Platz 6 – Sekretärin: Wie klischeehaft!

Platz 5 – Pilotin: Ich habe Höhenangst (manchmal) und würde ab einer bestimmten Geschwindigkeit und Höhe wahrscheinlich alle Kotztüten dafür verwenden, wofür sie gemacht wurden.

Platz 4 – Krankenschwester: Ich möchte Menschen nicht and diversen Stellen anfassen. Ich möchte ihnen auch keine Spritzen geben. Und mir nicht anschauen, wie ein fünfjähriges Kind sich so lange an diesem triangelförmigen Hochzieh-Teil des Krankenbettes hängt, bis es reißt (wie damals bei mir, als ich fünf war und die Polypen herausbekam). Und so bescheidene Arbeitszeiten kann ich auch nicht gebrauchen. Und: wahrscheinlich würden alle sterben.

Platz 3 – Hostess: “Eine Hostess ist eine zur Betreuung von Gästen (…) angestellte Frau, von der adäquate Umgangsformen, …” – Ähähähä? – “… in der Regel Fremdsprachenkenntnisse …” – Fremdsprachen? Meine Englischkenntnisse sind, angesichts dessen, dass ich es Jahre gelernt habe, bescheiden, von meinem Französisch ganz zu schweigen, Spanisch sowieso und mein Russisch beschränkt sich auf “ja”, “nein”, “ich möchte Wodka” und einige Ausdrücke. – “… und meist auch ein ansprechendes Erscheinungsbild verlangt werden …” – Hust. – “Gerade bei Automessen sind die Hostessen häufig nur knapp bekleidet …” – Und (halb)nackt im Bikini vor einem Auto (ohne jeglichen Sport zu treiben!) sehe ich nicht ansprechend aus. Das kann ich Euch sagen.

Platz 2 – Fitnesstrainerin: Okay. Das ist wirklich freaky, das es eine Fitnesstrainerin auf Platz zwei schafft. Das ist für mich nämlich so ziemlich das Unerreichbarste. Davor würde ich sogar noch Ärztin werden. Oder nackt vor Autos tänzeln, weil selbst das noch besser aussieht, als wenn ich Sport mache. Ich bin so unelegant. (Habe ich schon erwähnt, dass meine Sportlehrerin mich teilweise aus den Tanzgruppen genommen hat, damit ich was Alternatives mache?)

Platz 1 – Stewardess: Stewardessen sehen gut aus. Ich mag die Uniformen. Aber sonst ist es für mich irgendwie einer der oberflächlichsten und uninteressantesten Berufen überhaupt. Immer schön lächeln, Leute bedienen und das schlimmste: die Haare schön haben. Nix zu machen.

Fazit: Ich bleibe so unsexy wie ich bin.

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Ich mag die Stadt. Ich mag es, alles in unmittelbarer Nähe zu haben. Den REWE. Den Chinesen (laktosefrei!). Die S-Bahn. Den Bäcker. Und das zu fast jeder Uhrzeit. Von morgens um acht bis nachts um zwölf. Ich habe mich daran gewöhnt, alle paar Minuten in meine Bahn zu steigen und weiterzukommen. Ich mag die Anonymität.

Das war nicht immer so. Das sind irgendwie Dinge, an die man sich gewöhnt, je nachdem, wo man lebt. Ich war anfangs nie ein großer Fan der Stadt, vor allem nicht, als ich noch zu Hause wohnte, wo einem die Schafe quasi den Garten eintrampeln. Ich fühlte mich nie abhängig von den Bussen, die alle paar Stunden mal fuhren, ich stellte mich halt darauf ein. Ich stellte mich auch darauf ein, dass man wenn ich im Penner-Look und fettigem Haar zum Edeka ging, es am nächsten Tag das halbe Dorf wusste, weil es sich morgens beim Bäcker herumspricht.

Seit ich in der Stadt wohne habe ich mich deshalb, wie gesagt: an den Luxus gewöhnt, und bin geradezu verwöhnt, wenn ich wieder nach Hause komme.
Natürlich mag ich “mein Dörfchen” wegen der Dinge, die ich in Stuttgart nicht habe. Ich liebe es hier zu sein, mich wie früher zu fühlen, die ganzen Ecken und Plätze zu kennen, an denen ich damals gewesen bin. Es ist Vergangenheit. Heimat eben.

Aber heute, da mag ich die Stadt. Sie ist präsent, irgendwie jetzt, ein Teil von mir. Ich mag die Hektik, wenn ich von einem Ort zum anderen fahre, manchmal mag ich auch die Einsamkeit. Wir sind so viele, aber jeder für sich. Und manchmal sind wir viele und eins.
Die Stadt ist für mich keine Heimat, eher ein Abenteuer, in dem ich mich befinde. Es manchmal auch ein seltsamer Augenblick, nachts an einer viel befahrenen Kreuzung zu stehen, mich wie im Trance zu befinden und die Stadtluft in mich aufzusaugen. Und dann komme ich nach Hause und atme wieder aus.

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“Es gibt drei Dinge, die einen in Stuttgart zum Wahnsinn bringen können: 1. Kehrwoche (…), 2. Parkplatzsuche, 3. Immobilien.” Das übernehme ich mal so von Jana, einfach, weil es stimmt. Irgendwann, ich glaube es war der erste April, beschloss ich (mal wieder) aus einer Laune heraus, dass ich ja wieder umziehen könnte. Ich wollte wieder mit Menschen zusammen wohnen, zentral und natürlich möglichst günstig. Klingt eigentlich einfach: eine WG, direkt in Stuttgart-Mitte oder Stuttgart-West – alles andere ausgeschlossen, weil zu weit weg (alle Stadtbezirke, die nicht direkt in Stuttgart sind), zu hässlich (Ost) oder weil es kein Flair und zu viel Industrie hat (Nord) – mit netten Menschen.
Aber wir sind in Stuttgart. Das Wohnungs- beziehungsweise WG-Angebot in Stuttgart ist zwar groß, aber die Chance, jemanden zu treffen, den man gut leiden kann plus schöne WG strebte quasi gegen Null. Zudem sind die Preise für WG-Zimmer im Westen teilweise echt hoch (mehr als 450 Euro für 20 Quadratmeter, wtf!), so dass man sich eigentlich gleich die Kugel geben kann. Aber ich bin ja hart im Nehmen. (Außerdem wäre ich eh zu doof, mich zu erschießen, davon mal abgesehen.)

Gleich nach zwei Wochen und mehreren Besichtigungen hatte ich schon eine mündliche Zusage für eine WG direkt an der Stuttgarter Börse von einem Mädel namens Desirée. Ich war überglücklich, weil ich so schnell was gefunden hatte. Desirée traf aber eine Woche später zufällig einen Kumpel, der auch nach einem Zimmer suchte. Und somit war diese Zeit dann im Nachhinein fürn Arsch. Danke, Desirée, Du bist eine blöde Kuh. (Und Deine blöde Katze mochte ich auch nie. Sie ist hässlich, fett und doof.)
Dann suchte ich eben weiter. Dieses Mal mit etwas mehr Zeitdruck. Und tatsächlich, wenige Besichtigungen später fand ich meine jetzige WG, sogar im Stuttgarter Westen. Man muss wissen, ich liebe den Westen. Sehr zentral, mit sympathischen Leuten und vor allem ohne Kehrwoche. Und jetzt sitze ich hier, mit meinem Schreibtisch, meinem Hochbett und einem Tisch, auf dem der Fernseher steht. Und einem Star-Wars-Poster. Mehr hab ich nämlich nicht.

In meiner alten Wohnung wohnt dafür jetzt Yuri, der auch meinen Internet-Vertrag und Waschmaschine übernahm. Yuri ist übrigens kein Russe, sondern kommt aus Südafrika. Und Yuri heißt er auch nur, weil seine Mutter total auf Doktor Schiwago steht. (Skurril!)

Deswegen: back to 2008.

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Die komplette Technik lässt mich gerade im Stich. Und das letzte Mal Zigaretten geholt habe ich, als ich zehn war und meine Mutter eine Schachtel Camel wollte. Da war das alles noch ganz einfach: man schmiss seine fünf Mark in den Automat, zog an dieser schwer bewegbaren Metall-Schublade (für ein schmächtiges Kind immerhin eine Herausforderung) und hatte dann seine Zigarettenschachtel in der Hand. Alles war super und meine Mutter glücklich.

Eigentlich unterstütze ich Raucher ja nicht mehr, seit ich in die Pubertät kam (aus Prinzip). Ich find rauchen scheiße (das gilt nicht für den nicht-nüchternen Zustand), und wer sich seine Lunge schwärzen will, muss selbst dafür sorgen.
Heute habe ich dabei für meinen Freund eine Ausnahme gemacht. “Wenn ich jetzt Kippen holen gehe, löse ich eine Kette von Reaktionen aus. Ich muss duschen, mich anziehen, Geld raussuchen, rausgehen, den Aufzug holen …” Also mache ich das halt. (“Männer.” (Das wollte ich immer mal in einem Blogeintrag verwenden, klingt so nach frustrierter Hausfrau.)) Ich sehe zwar auch scheiße aus, vor allem in dieser zu großen Jogginghose … Aber hey. Ich bin hier nicht mehr im Stuttgarter Landkreis, daher ist das völlig okay.

Also gehe ich mit meiner Bankkarte, einem Ein-Euro-, Zwei-Euro-Stück und zehn Zwanzig-Cent-Stücken plus einem Fünf-Euro-Schein (falls der Automat keine Zwanziger nimmt) raus, um Kippen zu holen. Ich drücke “Automat starten”, und ziehe meine Karte durch den Schlitz, etwa zwanzig Mal. Bis mich der Freund vom Balkon aus anweist, es mal mit dem anderen Schlitz zu versuchen.

Klappt.

Dann teste ich das mit dem Zwanzig-Cent-Stücken. Geht nicht. Also den Fünfer. Den spuckt er fünf Mal wieder aus, bevor er ihn nimmt. Dazwischen musste ich noch ein paar Mal “Automat starten” drücken, denn so ein Automat hat nicht ewig Geduld. Nach etwa sieben Minuten habe ich endlich rote Gauloises in der Hand, werfe den drei Teenagern hinter mir über die Straße weg einen bösen Blick zu, weil sie mich die sieben Minuten belächelt haben (wegen der Sache mit dem Automaten oder wegen der zu großen Jogginghose … vielleicht auch wegen beidem) und gehe hoch.

Ich bin zu alt für so was.

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