Geschwister

Ich habe drei Geschwister. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, ob das “viel” ist, aber für die meisten scheint es “viel” zu sein. Vier Kinder in die Welt zu setzen ist für die meisten einfach schlicht und ergreifbar nicht mehr möglich, weil ihnen die Zeit und vor allem das Geld fehlt. Sagen sie. Ich habe davon keine Ahnung. Ich schätze eher, dass man sich heutzutage den Luxus gönnt, wenig Kinder in die Welt zu setzen. Muss ja nicht mehr sein. Zumindest nicht wie früher – so nach dem Motto die Kinder pflegen die Eltern im Alter. Heute möchte man oft unabhängig sein und möglichst wenigen zur Last fallen. Vor allem den Nahestehenden. Aber ich schweife ab.

Aus dem Grund, und weil die Menschen heutzutage anscheinend zu viel Asi-TV schauen, wurde ich öfters mal gefragt, ob meine Eltern das tatsächlich geplant hatten, vier Kinder und so – oder ob das mehr oder weniger ein Versehen war. Leute, meine Eltern haben tatsächlich gewusst, wie Verhütung funktioniert. Selbst in den Achtzigern war das ein Thema in der Bravo. Danke der Nachfrage.

Für Kinder sind viele Geschwister natürlich großartig, grob gesehen in fast allen Lebenslagen. Zumindest war das bei mir so – und hat man nicht das total gestörte Verhältnis zueinander, wird das wohl bei der Mehrheit so gewesen sein. Man hatte immer jemanden, mit dem man spielen konnte, den man ärgern, belehren konnte, mit dem man aufwuchs – und wenn es hart auf hart kam, wussten wir, konnten wir uns aufeinander verlassen.
Meine Geschwister und ich stehen uns sehr nah. Die Beziehungen untereinander sind sehr unterschiedlich, aber innig, auch wenn wir uns dessen vielleicht gar nicht bewusst sind. Wir können sein, wie wir sind, wir kennen unsere Macken, wir haben dieselbe Geschichte. Das sind Dinge, die verbinden. Und einen Menschen einfach in seinem kompletten und komplexen Sein über mehrere Jahre oder ein Leben lang zu erleben, ist ein Privileg, das man schätzen sollte.

Geschwister

Man sagt ja auch immer, Geschwister machen einen “sozial”. Oder “früher sozialer” als ein Einzelkind, weil man recht früh auf engem Raum mit anderen lebt. Kennt ihr diesen Fruchtsalat aus den Dosen mit diesen künstlichen, pinken Kirschen? Sie waren bei uns heiß begehrt, und wehe einer bekam eine mehr als der andere. Deshalb verteilte sie mein Vater immer gerecht, und die, die übrig blieben, aß er. Somit blieb der Hausfrieden gesichert.
So etwas ist rückblickend natürlich irgendwie dämlich, aber eben ein Lernprozess, den man wohl zwingend durchmacht. Wenn man diese Situationen, in denen man sich wie ein Arsch verhält, erlebt, und seine Erkenntnisse daraus zieht, versteht man (in den meisten Fällen) schnell das Prinzip des sozialen Zusammenlebens.

Im Nachhinein würde man natürlich vieles anders machen. Abgesehen davon, dass ich keinen Einfluss darauf habe, wie viele Geschwister ich habe, würde ich es mir im Nachhinein nicht anders wünschen. Ob ich selber mal mehr als drei Kinder in die Welt setzen möchte: wahrscheinlich eher nicht. So schön meine Kindheit war und die Erlebnisse, die ich hatte, aber ich bin in der Hinsicht wohl etwas egoistisch. Außerdem finde ich es schwer, schöne Namen zu finden (immer diese Luxusprobleme, aber sie sind berechtigt – bei uns hat man die abnehmende Qualität der Namen nämlich festgestellt, und ich als Älteste darf das auch behaupten). Aber wer weiß, vielleicht entpuppe ich mich irgendwann mal als dauerwerfende Frau und Mutter.

(Das Titelbild zeigt übrigens die Familie meiner Oma. Meine Oma hatte neun Geschwister. Zumindest glaube ich das. Es waren jedenfalls sehr viele. Sie konnte zum Schluss nicht mal mehr alle Namen aufzählen. Lag aber vielleicht auch am Alzheimer.)

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Frau J ist ...

Ich kann auch stolz auf meinen Körper sein. Jahrelanges Training. Wen stört da noch das Doofsein.

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Bei Oma

Nett, dass ihr fragt. Am Samstag war ich bei meiner Oma. Meine Oma ist einundachtzig geworden, was schon ziemlich alt ist. Und dafür, dass sie so alt ist, ist sie noch ziemlich fit.
Meine Oma wohnt mit meinem Opa in einem der vielen Dörfer, nahe meiner Heimat. Ursprünglich kommen sie aus Ungarn, deswegen haben sie beide auch noch diesen leicht ungarischen Akzent. Wenn jemand der beiden Ungarisch spricht, fühle ich mich wie ein Zigeunerkind, das am Straßenrand gefunden wurde.

Mein Opa ist schon siebenundachtzig und auch noch ziemlich fit. “Nur Autofahren, das sollte ich nicht mehr so, vor allem bei Nacht, da sehe ich kaum was”, sagt er. “Muss wohl bald den Führerschein abgeben.” “Du gibst den Führerschein doch eh nie ab, den muss man Dir regelrecht wegnehmen”, kommentiert meine Oma. Mein Opa versucht eigentlich immer, sich irgendwie nützlich zu machen, aber meine Oma verzichtet gerne darauf.

Meine Oma ist eigentlich die meiste Zeit beschäftigt, und wenn sie nicht beschäftigt ist, dann macht sie sich beschäftigt. Mein Opa hingegen ist sehr gemütlich, deswegen habe ich mit ihm eigentlich nur Wein getrunken. Wenn ich ein paar Stunden dort bin, gewöhne ich mir an, immer etwas lauter zusprechen. Beide haben zwar ein Hörgerät, aber “wenn ich immer an die Hörsprechanlage gehe, ist das total ungemütlich”, sagt meine Oma. Daher schreie ich nach gewisser Zeit einfach alle an, weil meine Großeltern mich auch ständig anschreien, weil sie denken, ich höre sie nicht.
Nach drei, vier Gläschen habe ich mir also bis zum Abend die ganze Verwandtschaft schön gesoffen und alle, die noch kamen, freudestrahlend empfangen. Ich freue mich deshalb heute schon auf ihre eiserne Hochzeit im Dezember.

Heute habe ich nicht wirklich viel unternommen. Was heißt nicht wirklich viel. Nichts. Muss man schon so sagen. Das Produktivste war, mir bei der letzten Marone, die ich anschnitt, das Messer metertief in meinen Daumen zu rammen und meine graue Jogginghose vollzubluten. Seitdem weiß ich, dass man Blut nicht warm auswaschen sollte, sondern mit kalten Wasser.

In diesem Sinne: Euch allen einen schönen Start in die Woche. Und mir mehr Geschick.

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Ich steige heute Morgen wie üblich in die U15 – setze mich nach ganz vorne in den Wagen, und schon beim Hinsetzen fällt mir die Frau auf, die mir gleich gegenübersitzt. Rote Mütze, die dazu passenden Handschuhe, aufgetakelt bis zum Geht-nicht-mehr, frustrierter Blick und die Beine übereinander geschlagen, so dass man sich kaum hinsetzen kann. (Über so was ärgere ich mich schon gar nicht mehr, wenn mir die Leute blöd kommen, trete ich ihnen einfach gegen den Fuß.)

Ich setze mich hin, nachdem sie angenervt ihre Beine anders positioniert. Nach mir kommt eine junge Frau, die sich gerne neben die rote Dame setzen möchte. Leider steht da noch ihre Handtasche. Das ist doof, weil sich niemand hinsetzen kann. Die Frau fragt also höflicherweise, ob sie sich hinsetzen dürfe, was die rote Dame mit “Da drüben ist doch auch noch ein Platz frei!” kommentiert. Blöderweise muss sie sie aber tatsächlich hinsitzen lassen, weil sich das mit dem freien Sitzplatz da drüben kurz nach ihrem Kommentar erledigt hat.
Der Blick der Frau, die sich etwas verblüfft neben die rote Dame setzt, sagte so was wie: “Ähm, what the fuck?” Ich dachte mir: “Ähm, what the fuck?” Und ich war mir sicher, der Mann links von mir dachte dasselbe.

Die rote Dame zupft ständig nervös an ihren Handschuhe herum und schaut immerwährend auf ihre Uhr. Irgendwann blickt sie mich genervt an und sagt: “Machen Sie Ihre Musik leiser.” Ich weiß, dass meine Hörer halb kaputt sind und daher wirklich sehr leise – und die Lautstärke nicht ohrenbetäubend laut sein kann. Ich antworte ihr also: “Sie stört heute auch alles, oder?” Dachte aber: “Du wurdest wohl lange Zeit nicht anständig durchgevögelt, was, Du blöde Schnepfe?” Der Mann neben mir nickt mir zustimmend zu, wahrscheinlich kann er meine Gedanken lesen. Sie schaut mich an und sagt: “SIE MACHEN DAS JETZT LEISER!” Die Frau schräg gegenüber von mir schüttelt genervt den Kopf. Ich sage: “Ja, ja, natürlich.” Und lasse die Lautstärke wie sie ist.

Der Mann neben mir steigt aus. Die rote Dame wirft genervt ihre Handtasche auf den Sitz, auf dem er vor einigen Sekunden noch saß. Die ganze Fahrt lang schaut sie mich durchdringend an, ich schaue dezent an ihr vorbei.
Beim Aussteigen überlege ich, ob ich ihre Handtasche aus Versehen vom Sitz fallen lassen soll, überlege es mir aber anders.

Ich meine: was soll’s.

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Kenia

Getreu nach dem Motto: Ich bin halbkrank (nix Halbes und nix Ganzes … einfach total matt im Hirn, Halsschmerzen und dem ständigen Bedürfnis, mehr zu essen und zu schlafen als eh schon), sortierte ich gerade die Bilder aus, die ich Euch zeigen könnte. Und nun ja, ich muss Euch leider enttäuschen, es gibt keine Bilder von mir im Bikini, weil ich einfach zu dick bin, und auch sonst keine, weil ich zu neunundneunzig Prozent der Zeit dort einfach nur total beschissen ausgesehen habe. Ehrlich. Es ist an der Küste Kenias so unvorstellbar heiß – und in den halblangen Klamotten erst recht (Verschleierte, überall Verschleierte, wir beachteten dort also mehr oder weniger den Dresscode) – von meinen Haaren fange ich gar nicht erst an, die waren im Dauernotstand.

Fünfzehn Tage, etwa sechshundertfünfzig bis siebenhundert Euro (so genau weiß ich es auch nicht – mein Bruder war der Kassenwart) inklusive Frühstück, Mittagessen, Abendessen und Guesthouse (nicht zu vergessen die Safari für etwa zweihundert Euro, die wir beide im Nachhinein auch weggestrichen hätten) für zwei Personen. Sechs Orte, zweiunddreißig Grad Durchschnittstemperatur und kein einziges Mal überfallen.

Ich habe wirklich richtig, richtig viele Bilder geschossen, die es wert wären, gezeigt zu werden. Aber da ich keinen übersättigen, und mir das große Bearbeiten und Abspeichern sparen wollte, habe ich nur die zweiundvierzig besten herausgepickt. Die schnellen unter Euch können sich durchsliden – für Interessierten unter Euch gilt: zum Klicken vergrößern (Gott, ich bin echt durch heute, glaubt man das – ich korrigiere das jetzt aus Prinzip schon nicht) – ich habe die Bilder dort auch ordentlich beschrieben. (Meistens jedenfalls.)

Und nun viel Spaß beim Anschauen. (Und für alle, die das Video noch nicht sahen, das gibt es hier.)
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Stuttgart

Stand heute Morgen um zehn vor sieben auf. Genauer gesagt: um sechs Uhr einundfünfzig. Wie immer. Wollte duschen. Ging nicht, weil die Freundin des Mitbewohners duschte.
Merkte derweil, dass ich keine Hosen zum Anziehen hatte, weil ich sie gestern Abend wusch und nun noch nicht trocken waren. Duschte. Wollte meine nassen Haare kämmen, fand meine Haarbürste nicht. Föhnte sie so, fand aber keinen Haargummi, der das Desaster (!) hätte verbergen können. Zog etwas Alternatives zu den Hosen an, das nicht passte. Sah doof aus. Verließ trotzdem das Haus.

Betrat die S-Bahn-Station – die Rolltreppe nach unten zur Schwabstraße war heute die linke, was nicht nur mich, sondern extrem viele andere Personen ebenso verwirrte und ständig Personenschaden verursachte.
Saß mit dem Gedanken in der S-Bahn, dass ich die Stadtbahn um genau eine Minute verpassen würde, was mich ärgerte (schließlich hätte ich dann zu Hause noch fünf Minuten Zeit gehabt, um mir eine heiße Tasse Tee über die Hand zu kippen, während ich gleichzeitig mein iPhone fallen lassen und mich vor Schreck in unser Glasregal werfen würde) was hieße, dass ich vier (VIER!) Minuten zu spät zur Arbeit käme. Spammte meine Freundin R. per WhatsApp zu. R. zitierte den SWR3 und schrieb: “Montag ist Schontag.”

Hatte Glück im Unglück (und das heute). Meine Stadtbahn kam eine Minute zu spät, was hieß, dass ich sie noch mit Mühe und Not mit einem Slide durch die sich gerade schließende Tür bekam. Trat einer Oma dabei auf den Fuß, ein Mann trat mir auf den Fuß, was meine Elf-Euro-Mallorca-Stiefel ruinierte.

Stieg aus, ging zum Bäcker mit der unglaublich freundlichen Bäckersfrau (fragte mich wie immer, ob sie denn im Leben nicht genug geliebt wird). Sie wünschte mir einen schönen Tag, meinte es aber nicht so. Betrete fünf Minuten später die Agentur. Kollege fragte mich, ob ich heute einen Termin habe, weil ich einen Rock trage – ich sage ihm, nein, ich habe gestern nur meine kompletten Hosen gewaschen (bei fünfundneunzig Grad), die jetzt alle noch nicht trocken sind.

Das Bild oben hat übrigens nichts mit dem heutigen Tag zu tun – ist aber ein sehr schönes Bild von Stuttgart in der Abenddämmerung.

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Ich war nie wirklich gläubig. Das Thema Religion oder Kirche stand für mich nie im Vordergrund. Ich hab als Kleinkind noch meine Taufe und Kommunion mitgenommen, aber nur, weil das eben so gemacht wird, wenn man in einer katholischen Familie aufwächst. Wie man eben so vieles macht, nur, weil es nach außen hin so verlangt wird.

Den Kommunionsunterricht fand ich damals schon gnadenlos doof, und überhaupt, dieses ganze Gott-Gelaber. Gott beschützt Dich. Gott ist für Dich da. Blablabla. Ich verstand nicht, warum ich in den Religionsunterricht musste (der auch noch vom katholischen Pfarrer gehalten wurde), der mir etwas vermitteln sollte, an das ich absolut nicht glaubte oder mich persönlich überhaupt nicht weiterbrachte. “Gott glaubt an Dich, er unterstützt Dich in dem, was Du tust.” Leute, ganz ehrlich: glaubt an Euch selbst, das bringt Euch viel mehr.

Ich habe kein Problem, wenn Menschen ihren Glauben leben, feiern, was auch immer. Ich boykottiere auch nicht die Kommunionsfeier meines neunjährigen Cousins, weil ich das schwachsinnig finde – einfach, weil es für andere Menschen wichtig ist. (Ich überspringe stattdessen einfach den zweistündigen Knien-Stehen-Sitzen-Kirchenteil.)

Was mich sehr nervt, ist, dass sich die Religion in mein Leben schleicht, obwohl ich es gar nicht will. Ich verstehe beispielsweise nicht, warum es Pflicht ist, Kirchensteuer zu zahlen. Oder anders ausgedrückt: ich finde es eine Frechheit. Egal, was mit dem Geld angestellt wird – ob nun tatsächlich für einen guten Zweck … oder eben in die eigene Tasche – das sind Dinge, die sollte jeder Einzelne selbst entscheiden können. Da redet man von Trennung von Staat und Kirche und zieht den Leuten die Kichensteuer aus der Tasche. Ganz ehrlich – da werde ich so was von sauer.

Und Religionsunterricht. Für was, bitte? Damit mein Kind in der Grundschule Bibelgeschichten lernt und später, wie die Rangfolge der Angestellten in der Kirche aufgebaut ist – vom Bischof bis zum Papst? Manche sagen ja, dass der Unterricht später sehr ausgeweitet wird, auf allgemeine Themen – Themen, die man diskutieren kann und auch soll – was ich gut finde. Leben. Tod. Liebe. Familie. Alles wichtig. Aber da brauche ich keinen Religionsunterricht dazu. Erfindet stattdessen doch einfach mal ein sinnvolles Fach und nennt es “Leben”.

Und die Feiertage. Okay, ganz ehrlich, danke liebe Kirche, dass ich so oft frei habe. Finde ich wirklich klasse. Aber ich hätte gerne Feiertage, auf die ich stolz bin. Weil wir was erreicht haben, das wir Jahre später noch feiern können. Politisches zum Beispiel. Geschichtliches. Aber keine Feiertage wie “Jesus ist geboren”. “Jesus ist gestorben” und “Jesus ist auferstanden”. Nicht Dinge, an die man glaubt. Dinge, die wirklich passiert sind und denen wir gedenken möchten.

Und wenn ich dann Dinge höre wie “Ich finde Kirche ja auch doof, möchte aber kirchlich heiraten!” oder “Kirchensteuer finde ich blöd, aber mein Kind soll doch getauft werden, dann kann ich ja nicht austreten!” dann schüttel ich auch nur den Kopf.

Ich werde niemals kirchlich heiraten, ich werde nie Taufpatin und ich muss mir keine Gedanken machen, ob ich später in den Himmel oder die Hölle komme, weil ich nach meinem Tod einfach nur tot sein werde. Und mir geht es trotzdem gut.

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Halloween

Ich war dank Brückentag und meinem letzten verbliebenen Urlaubstag in diesem Jahr gestern und heute mal wieder zu Hause. Bei mir zu Hause ist seit neuestem immer der Kühlschrank voll, was daher kommt, dass die Freundin T. meines Vaters eingezogen ist (plus deren Tochter).

Da ich abends sonst nichts vorhatte, habe ich mich von meiner Schwester überreden lassen, ihr bei einem Kinder-Halloween-Dings zu helfen, und das Resultat war, dass ich am Ende aussah wie eine Mischung aus Wonderwoman und Cher in den Achtzigern, was wohl an der Perücke lag. (Ach ja, habe ich schon erwähnt, dass wir die einzigen Kinder-Betreuer waren, die verkleidet waren? Gott, ey. Steh mal neben einer top gestylten Sechzehnjährigen und sehe aus wie Cher.)
Das Tolle an Kindern ist ihre unbestechliche Logik und Kombinierfähigkeit (“Frau J, ist das Deine Schwester?” “Das ist doch klar, die haben doch auch beide eine Brille!”). Außerdem schätzten mich alle altersmäßig auf sechzehn, weil ich noch keinen Führerschein habe. Aber gut, ich dachte auch, der kleine Wikinger sei ein Junge, dabei war es die ganze Zeit ein Mädchen.
Der Geist übrigens, der eine Tischdecke über dem Kopf hatte (“Riecht voll nach Spätzle, weil wir vor einer halben Stunden noch darauf gegessen haben.”), fragte mich wehmütig, ob er sein Kostüm auch ausziehen dürfte, weil er sonst seinen Muffin nicht essen könne. Ich überlegte mir etwa zehn Sekunden lang, “Nein” zu sagen und lachte schadenfroh in mich hinein. Tat es aber nicht. Gnagnagna.

Mein Vater hat sich wie jedes Jahr auf Halloween eingestellt – leider lernt er auch nicht aus den Erfahrungswerten der letzten Jahre, die gezeigt haben, dass sich in den seltensten Fällen Kinder zu uns verirren, weil wir eben verdammt noch mal am Ende des Dorfes wohnen und da keine Sau hinläuft. Somit können wir uns wieder bis nächstes Halloween von Süßigkeiten ernähren.
Wir persönlich waren auch relativ erfolgreich, was die Ausbeute betrifft. Nur die wenigsten waren absolute Halloween-Hasser, und waren sie es, haben wir die Kinder angewiesen mindestens eine Minute lang Sturm zu klingeln und dann wegzurennen. Ich hätte gerne eine fieseren Plan gehabt, aber scheiße, ich hatte mir nun mal keinen Alternativ-Plan ausgedacht, weil ich davon ausging, dass die Menschheit gut ist.

Abends ließ ich den Abend bei R. und ihrer Mum ausklingen – diese Abende enden gewissermaßen immer gleich: Ich habe mehr als eine Flasche Wein intus und torkel nach Hause. Meistens komme ich dort auch an. Und am nächsten Tag darf ich mir von meiner Familie anhören, wie oft ich gegen die Wand gelaufen bin.
In diesem Sinne lobe ich übrigens auch mein iPhone mit seiner Anti-Besoffenen-Funktion, die mir auch noch morgens um elf beim ausnüchternen Schreiben half:

iPhone

In diesem Sinne: allen eine schöne, neue und kurze Woche. (Außer, ihr hatten keinen Brücken- oder Feiertag. Dann nicht.)

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Odd one out

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Mein Bruder und ich funktionieren im Doppelpack eigentlich ganz gut. Man geht sich ab und zu mit Absicht total auf den Sack, aber ich glaube, irgendwie gehörte das bei uns Geschwistern dazu. Überhaupt lernt man sich auf Reisen sowieso immer besser kennen, und mit einem Altersunterschied von fünf Jahren haben wir uns im Kindesalter eigentlich nur gegenseitig unterdrückt und geschlagen (beziehungsweise ich ihn, ich war so grausam) – und sonst keinen großartigen Kontakt zueinander gehabt. Somit war es mal schön, die jeweils andere (und vielleicht bessere) Seite kennenzulernen.

Kenia war wirklich einer der tollsten Urlaube, die ich hatte. Liegt natürlich auch daran, dass man Reisen wie diese nicht jeden Tag so erleben kann, mit jemandem an der Seite, der sich im Land auskennt, die Sprache spricht und vor allem eins nicht macht: sich bescheißen lassen. Und das machen die da bei Weißen einfach in jeder Situation. Ich weiß gar nicht, wie ich anfangen sollte, zu erzählen, wie es war. Weil es einfach zu viele Eindrücke wären, um sie jetzt zusammenzufassen und wiederzugeben. Deshalb sind sie wohl in den diversen folgenden Blogeinträgen, wenn es vom Kontext her passt, besser aufgehoben.

Nur eins: Mein Rückflug von Nairobi nach München war weniger schön und spiegelte eigentlich das wider, was ich in den zwei Wochen gelernt habe: Chaos. Mein Flug ging Sonntagabend um halb elf, da saßen wir allerdings alle noch im Abflugraum. Natürlich sagte uns auch keiner, was los war, was unter anderem wohl auch daran lag, dass nicht mal das Personal wusste, was los war. Nach einer halben Stunde teilte man uns mit, dass ein Gepäckstück verloren ging, noch mal eine halbe Stunde später erklärte man uns, wir müssten nochmals warten, weil irgendwas an der Maschine defekt sei. Und wie alle gestressten Europäer seufzten melodramatisch, sprangen von ihren Stühlen auf und schrien: “Wir brauchen doch zu essen … und zu trinken!”
Ich dagegen ließ mich durch das nicht schocken. Bei mir war das Drama schon vorbei – nämlich der Weg an mein Gate zu kommen. Und dieses Visa-Gedöns. Und das hatte ich geschafft, mit Hilfe eines netten Flughafen-Menschens, den ich anflehte, mir zu helfen. (Dadurch kam ich auch vor allen anderen dran, die sich total selbstständig durch das Gedränge wühlten. Sie hassten mich.) Nun konnte mir nichts Schlimmeres mehr passieren. Im Gegenteil. Wir kamen in ein Hotel. Über Nacht. EIN HOTEL! Nach zwei Wochen Rucksack-Touristen-Dasein ein Traum. (Ich kam an dem Abend ins Hotelzimmer, und schrie: “Strike! Striiiihiiihiikkkeee!” Kein Scheiß. Ich fühlte mich danach auch total albern.) Ich überschwemmte erst mal das Bad nach über halbstündigem Duschen.
Eigentlich sollte der Flieger am nächsten Tag um zehn los, um zehn erfuhren wir aber, dass er erst um zwölf geht. Damit war mir auch klar, dass ich an diesem Tag nicht mehr von Paris nach München kam. Und nächtigte deshalb nochmals außerhalb Deutschlands – im Hilton. Somit kam ich einen Tag später an als urpsünglich geplant, aber hey, besser spät als abgestürzt.

Heute habe ich es endlich mal geschafft, mein eigentlich zehnminütiges Video auf etwa drei zu reduzieren und nach einer Ewigkeit endlich mal für Euch zuzuschneiden und hochzuladen. Es beinhaltet den Trip durch die Städte Lamu, Malindi, Watamu und Mombasa. Viel Spaß beim Anschauen.
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