Nintendo 64, ftw!

1997 kauften wir uns unsere erste Konsole, den Nintendo 64. Oder anders: mein Bruder kaufte sich einen Nintendo 64, und wenn er es genehm fand, durfte auch jeder mal damit spielen.
War voll das Highlight, weil wir bis dato keine Konsole hatten (die alte aus den späten Siebzigern meiner Eltern zählt nicht). Um zu spielen, mussten wir uns bis zu dem Tage quasi also mit Menschen abgeben, die wir eventuell nicht mochten, die aber Konsolen hatten. (Klare Prioritäten: Konsolen über Freundschaft.)

1999 kaufte ich mir eine Play Station, von meinem hart verdienten Kommunionsgeld. Das weiß ich noch genau, weil zeitgleich Christina Aguileras “Genie in a bottle”-Single herauskam, die ich immer hörte, wenn ich “Croc 2” spielte.

Worauf ich hinaus will: Ich hatte eine Play Station, mein Bruder einen Nintendo 64 und meine beiden jüngsten Geschwister mussten sich ständig versklaven, um mit irgendwas spielen zu dürfen.

Und wie das so ist unter Geschwistern, entwickelt man so seine Tricks, um seine Ziele zu erreichen. Meistens mit Provokation, das half immer, das Ego herauszufordern. Mein Bruder ließ sich also auf ein Fußballspiel mit meinen jüngsten Geschwistern ein – und sie wetteten natürlich um seinen wertvollsten Besitz, seinen Nintendo 64. Okay, und als kleines Goodie auch um sein Zimmer. Das nenne ich mal hochintelligente psychische Manipulation plus gute Gewinnchancen, ich bin froh, dass beide keine Serienkiller geworden sind.

Und weil wir wussten, dass man sich in bestimmten Situationen nicht mit Sicherheit auf das Wort des anderen verlassen konnte, setzen meine Geschwister auch gleich einen Vertrag auf (was man halt so in dem Alter macht) – in diesem wurden die Spielregeln und Bedingungen erfasst und natürlich alles ordnungsgemäß unterschrieben.

Der Ort des Geschehens war unser langer, schlauchartiger Flur. An den kurzen, sich gegenüberliegenden Seiten befanden sich (Glas-)Türen, die in diesem Fall als Tor fungieren sollten – super Indoor-Fußballfeld also, meine Eltern freuten sich auch bestimmt ‘nen Ast.
Ich hielt mich aus dem Spiel aus gewissen Gründen raus, schließlich hatte ich meine Play Station. Außerdem ging die Glasscheibe der Eingangstüre schon auf meine Kappe, als ich meinem Bruder mit einem Besen hinterher gerannt bin (oder andersrum). Man muss ja den Hass nicht unnötig schüren und auf seine Seite ziehen.

Das Ende vom Lied war, dass mein Bruder verlor, und meine jüngsten Geschwister natürlich auf ihr Recht pochten. Sie hätten ja einen Vertrag und so, alles völlig rechtens und geregelt, sie hatten sogar schon erste Umzugspläne entwickelt. Mein älterer Bruder, seines Zeichens eh schon ein schlechter Verlierer, war ein bisschen verzweifelt, weil er so gar nicht mit einer Niederlage gerechnet hatte. Er spielte ja schließlich auch im Fußball-Verein. Zwar nicht mit Tennisbällen, aber hey, die Technik bleibt ja dieselbe.

Deswegen tat er das, was ein schlechter Verlierer halt so macht: er aß den Vertrag einfach auf. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum er ihn nicht einfach zerriss, vebrannte oder im Klo herunterspülte. Vielleicht empfand er den Vertrag wirklich erst als nichtig, wenn auch der allerletzte Schnipsel im Verdauungstrakt landete.

Und meine Eltern, die verzogen keine Miene bei der Geschichte. (Ich glaube, das lernen Eltern einfach irgendwann. Keine Miene verziehen. Und danach in den Keller zum Totlachen gehen.)

Sie erklärten uns lediglich trocken, dass wir in Zukunft doch einfach immer eine Kopie des Vertrages anfertigen sollten – zur Sicherheit.

flattr this!


Hehe @ letzter Satz. Da waren deine Eltern definitiv mehr drauf aus, euch was fürs Leben mitzugeben als den Gerechtigkeitssinn zu schulen.

Wir hatten nie Konsolen zu Hause, nur ich nen PC. Aber ich war da eher missionarisch drauf und hab meine Schwestern immer wieder überredet, auch mal zu spielen. Wollte wohl meine Freude teilen oder jemand zum drüber philosophieren haben. Oder so.

Ach ja, Konsolen hatte mein damaliger bester Freund: GameBoy, NES, Super-NES. Ich glaub, da hat’s aufgehört. Und Privatfernsehen hatte der auch! IM ZIMMER!!!

  

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Hat mich sehr zum Schmunzeln gebracht … Ach jaaaaa Geschisterliebe, das kenn ich :P

  

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Ich hatte mal von einem Freund ein “Star Trek Classic”-Panini-Album gekauft für sagenhafte 20 DM oder so. War ja viel Geld für kleine Jungs. Das hat seine Mutter aber rückgängig gemacht – obwohl ich mich nicht betrogen fühlte. Sie fand da wohl zuviel Geld. Ich glaube, das wäre heute das x-fache davon in Euros wert. Hätte ich ihm das Geld mal nicht in Münzen in den Briefkasten geworfen.

Jedenfalls brauchen sich Eltern nicht zu wundern, wenn ihnen ihre Kinder am Ende nichts mehr erzählen.

Und einen Taschengeldvertrag hatte mein Vater ruckzuck aufs wesentliche zusammengekürzt indem er meine fantastischen Ideen ;) mit einer Fernsehkasse etc. einfach durchgestrich.

  

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Sehr unterhaltsam.
Die erste Konsole war bei uns die Wii.

  

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Henning: Hehe @ letzter Satz. Da waren deine Eltern definitiv mehr drauf aus, euch was fürs Leben mitzugeben als den Gerechtigkeitssinn zu schulen.

Meine Eltern haben sich einfach nicht immer eingemischt, außer, es wurde deutlich gewollt oder ging dann wirklich in die falsche Richtung.

Henning: Ach ja, Konsolen hatte mein damaliger bester Freund: GameBoy, NES, Super-NES. Ich glaub, da hat’s aufgehört. Und Privatfernsehen hatte der auch! IM ZIMMER!!!

OMG!!!1

Caro: Ach jaaaaa Geschisterliebe, das kenn ich

Immer wieder schön, sich zurück zu erinnern.

Marc: Und einen Taschengeldvertrag hatte mein Vater ruckzuck aufs wesentliche zusammengekürzt indem er meine fantastischen Ideen mit einer Fernsehkasse etc. einfach durchgestrich.

Cleverer Mann. :jenny

Christiane: Sehr unterhaltsam.

:love:

  

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Zum Thema erste Konsole: Nintendo 64! Und ich bin 94er Jahrgang, ja! :D (‘n Gameboy-Color hab ich auch.) Wir waren technisch schon immer auf dem neusten Stand dank Daddy.

  

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