Vegetarismus

Inzwischen ist es eigentlich recht selten geworden, dass ich zu meinem Nicht-Fleisch-Konsum befragt werde. Ist auch gut so, schließlich gliedert sich der Vegetarismus immer mehr in unsere Gesellschaft ein und ist daher auch nichts Ungewöhnliches mehr.

Wenn es doch mal vorkommt, dann antworte ich recht wahrheitsgemäß auf die Frage, warum ich kein Fleisch mehr esse: Ich war noch nie ein großer Fleischesser. Und warum ich dann schließlich komplett auf Fleisch verzichten wollte, hat viele Gründe: Zum Beispiel, dass Massentierhaltung an sich noch mehr zur Umweltverschmutzung beiträgt als der Verkehr, und dass ich es nicht in Ordnung finde – milde ausgedrückt – wie Tiere gehalten und behandelt werden, um anschließend gegessen zu werden. Gerade letzteres berührt mich ungemein, wenn man mal bedenkt, dass wir eigentlich diejenigen sind, die eine gewisse Verantwortung gegenüber anderen Wesen haben.

Gerade letzteres scheint als Argument für viele nicht zu gelten, denn es nicht absolut. Umweltverschmutzung ist Fakt, dass Menschen auf Grund unseres Fleischkonsums verhungern ist Fakt. Uns tun die Tiere Leid? Zu emotional. Und wenn das so wäre, dann dürfte ich ja auch keine Milchprodukte essen, müsste auf Eier verzichten und keine Lederschuhe tragen.

Ich bin generell der Ansicht, dass jeder selbst entscheidet, inwiefern er sich für bestimmte Dinge einsetzt und jeder damit unterschiedlich konsequent umgehen kann, wie er will (sowieso in allen Lebensbereichen). Überhaupt bin ich dafür, die Dinge einfach mehr positiv zu sehen.
Wenn mir jemand sagt, dass er ein Mal in der Woche auf Fleisch verzichtet, würde ich niemals auf die Idee kommen und sagen: “Das ist zu wenig. Wenn Du konsequent sein willst, musst Du noch viel mehr tun.” Sondern es begrüßen, dass sich jemand damit auseinandersetzt und etwas unternimmt.

Ich weiß auch nicht, warum alles absolut sein muss – es geht schließlich darum, sich bewusst zu sein, was man tut, sich kleine Ziele zu stecken, die man auch erreichen kann. Und wenn man merkt, dass man diese kleinen Ziele erreicht, ist es viel einfacher, auch weiter zu gehen – wenn man will.

Als ich begann, vegetarisch zu leben, reagierte ich auf Kritik sehr empfindlich, was auch logisch ist – denn wenn man sich für etwas einsetzt, ist man schließlich mit ganzem Herzen dabei. Ebenso, wenn man versuchte, mir meine Ideale schlecht zu reden.
Ich weiß natürlich auch, dass sich Emotionalität und Sachlichkeit meist nicht miteinander vertragen, zumindest nicht, wenn man nicht damit umzugehen weiß. Auf dieser Basis mit anderen zu diskutieren will gelernt sein. Und wenn man das nicht kann oder will – muss man eben lernen, zu ignorieren, weil man sonst ganz schnell in eine Ebene abdriftet, die der Diskussion mehr schadet, als dass sie alle zu einem Konsens bringt.

Ich habe festgestellt, dass viele, die mir vorwerfen, nicht konsequent genug zu sein, ihr schlechtes Gewissen wettmachen wollen, indem sie Menschen wie mir versuchen zu vermitteln, dass wir ja “auch nicht besser sind” – und der Grund, aus Tierliebe auf Fleisch zu verzichten, daher mehr oder weniger nichtig. Das ist falsch. Genau so wie diejenigen, die sich sehr streng an diese Lebensweise halten und meinen, mir ihren Lebensstil aufdrücken zu müssen.

Inzwischen ist es mir eigentlich egal, ob sich jemand daran stört, blöde Witze reißt oder auf Basis seines Halbwissens gegen meine Lebensweise argumentiert, weil ich mit dem, was ich tue, im Einklang bin. Im Endeffekt sagt es ja auch viel mehr über ihn aus, als über mich selbst.
Trotzdem würde ich mir wünschen, dass ab und zu mehr reflektiert und weniger schlecht geredet wird, als es eigentlich ist. Denn eines muss man sich schließlich vor Augen halten: Selbst wenn wir weniger tun, ist das mehr als nichts. Und das ist schon mal ein kleiner Anfang.

flattr this!


Ich kann beispielsweise nicht verstehen, wieso Vegetarier in unserer Gesellschaft meist negativ beäugt und schlecht geredet werden. Jedenfalls kommt es mir so vor, als gäbe es wirklich Menschen, die “dagegen” sind. Dabei ist Vegetarismus doch etwas, was man machen kann, aber nicht muss!
Menschen sind egoistisch und können sich selbst nicht leiden, wenn sie Andere sinnlos auf Dinge ansprechen, die sie nichts angehen oder gar privat sind, um so von eigenen Problemen abzulenken.
Ich könnte mich wirklich lange darüber aufregen. Dieser Artikel ist unglaublich gut geschrieben und zeigt mir aufs Neue, wie ernst du sein kannst! :P

  

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Ich finds gut, dass du deinen Weg gehst,… und du musst ja damit leben und nicht die anderen.

Zum Beispiel ich versuch irgendwie bisschen Plastik aus den Weg zu gehen. Also bei Verpackungen achte ich dadrauf, dass da nicht unnötig Plastik verwendet wird. Letzten hab ich mir einen Gouda gekauft und mich grün und blau geärgert, als da unnötiger Weise zwischen den Käsescheiben Plastikpapier lag. Trotzdem lass ich das nicht raushängen oder ermahne andere wenn sie zu doppelt und dreifach verpackten Sachen greifen – weil es ist nun mal wie es ist: Es ist ihre Entscheidung.

Zum Vegetarismus muss ich sagen, dass ich momentan schon bisschen dran bin mich da besser zu informieren und so, hauptsächlich beruflich natürlich, weißt du ja, weil es ansich schade ist, dass in Restaurants es keine gute vegetarische oder vegane Auswahl gibt.
Was ich aber persönlich bisschen deppert finde, sind Produkte, die anderen Produkten nachempfunden sind: Vegatrische Schnitzel, die aus irgendwelchen Chemikalien bestehen, damit es wie nen gutes Kalbsschnitzel schmeckt. Da muss ich ehrlich sein, das finde ich etwas deppert.

In diesem Sinne: Who cares? ;)

  

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Die Beobachtung, dass sie ihr eigenes schlechtes Gewissen zu beruhigen versuchen, finde ich sehr interessant. Bin selbst kein Vegetarier, aber habe im Bekanntenkreis ein paar, und wie diese manchmal angemacht bzw. wie über sie geredet wird, nur weil sie Vegetarier sind – als ob das das einzige ist, was sie ausmacht. Sie sind gegen uns Fleischesser. Konnte ich noch nie so richtig verstehen, aber das schlechte Gewissen macht da richtig Sinn. Die schaffen es, nach ihren Idealen zu leben (bzw. sieht es von außen so aus, weiß ja keiner, ob sies wirklich schaffen). =)

  

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Amelie: Ich kann beispielsweise nicht verstehen, wieso Vegetarier in unserer Gesellschaft meist negativ beäugt und schlecht geredet werden.

Dafür gibt es wahrscheinlich einige Gründe – einer davon wäre, dass es viele Vegetarier gibt, die einen bekehren oder alles ausdiskutieren möchten. Trifft man eine solche Spezie, fängt man ganz schnell an zu verallgemeinern, und findet automatisch alle doof.

Amelie: Dieser Artikel ist unglaublich gut geschrieben und zeigt mir aufs Neue, wie ernst du sein kannst!

Danke. :)

Chrissy: Zum Beispiel ich versuch irgendwie bisschen Plastik aus den Weg zu gehen. Also bei Verpackungen achte ich dadrauf, dass da nicht unnötig Plastik verwendet wird. Letzten hab ich mir einen Gouda gekauft und mich grün und blau geärgert, als da unnötiger Weise zwischen den Käsescheiben Plastikpapier lag. Trotzdem lass ich das nicht raushängen oder ermahne andere wenn sie zu doppelt und dreifach verpackten Sachen greifen – weil es ist nun mal wie es ist: Es ist ihre Entscheidung.

Diesen Plastik-Tick habe ich auch.

Chrissy: Was ich aber persönlich bisschen deppert finde, sind Produkte, die anderen Produkten nachempfunden sind: Vegatrische Schnitzel, die aus irgendwelchen Chemikalien bestehen, damit es wie nen gutes Kalbsschnitzel schmeckt. Da muss ich ehrlich sein, das finde ich etwas deppert.

Dass vegetarische Produkte wie Fleisch schmecken, finde ich ansich nicht schlimm – eher ist es mir wichtig, was drin ist.

die Smileykiste: Die Beobachtung, dass sie ihr eigenes schlechtes Gewissen zu beruhigen versuchen, finde ich sehr interessant.

Es wäre für mich eine plausible Erklärung. Andererseits gibt es auch einfach Leute, die dagegen wettern, weil sie gerne wettern oder es einfach nicht in ihr Weltbild passt.

  

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Ich esse mittlerweile nur noch sehr wenig Fleisch und habe zu Hause einen Vegetarier-Haushalt. Trotzdem möchte ich nicht ganz auf Fleisch verzichten. Wenn ich irgendwo eingeladen oder im Restaurant bin, dann esse ich mal ein Stück Fleisch und gut ist. So ist Fleisch etwas Besonderes für mich und nichts Alltägliches. Außerdem erspare ich mir lästige Diskussionen und den Futterneid. Eine Win-Win-Situation sozusagen.

Das mit der Konsequenz ist schwierig. Natürlich leiden Tiere auch, wenn sie kein Schlachtvieh sind, aber industriell Milch, Eier usw. produzieren. Einige Dinge kann man hier auch gut vegan ersetzen, z.B. Mandelmilch statt normaler Milch. Aber es sind ja nicht nur Lebensmittel tierisch, sondern auch Wolle, Seide, Leder usw. Und spätestens, wenn man zum Bäcker oder ins Restaurent geht, wird’s eh schwierig für Veganer.
Meiner Meinung nach ist es aber gar nicht so wichtig, mit allem immer 100% konsequent zu sein. Lieber mitdenken, bewusst einkaufen und konsumieren – darum geht’s. Wenn alle ein klein wenig bewusster agieren, kann sich schon viel positiv verändern.

  

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Jenny: Uns tun die Tiere Leid? Zu emotional.

Jein. Klar, für einige sind Gefühle wohl generell kein Argument. Wobei ja auch die Frage ist, wo die Tierquälerei aufhört bzw. anfängt und ob der Fleischkonsum bei glücklich gehaltenen oder gar in der Wildnis aufgewachsenen Tieren jetzt in Ordnung ist oder ob das Töten von Tieren zum Essen generell verwerflich ist.

Und dem letzten Punkt kann ich für mich nicht zustimmen, denn dann müsste man auch dagegen sein, dass Tiere andere Tiere (fr)essen. Auch da kann man natürlich nochmal abstufen, denn manche Tiere konsumieren nur Fleisch, manche gar nicht und andere gemischt.

Aber generell scheint es für mich in der Natur zu liegen, dass verschiedene Lebewesen anderen nach dem Leben trachten, um sie zu verspeisen.

Man muss sich der Argumentation natürlich nicht anschließen. Ich freu mich ja eigentlich über die, die kein oder wenig Fleisch essen (vor allem wegen den anderen von dir angesprochenen Punkten). Aber dieses Argument ist für mich einfach kein bisschen nachvollziehbar – es sei denn, man würde eben auch alle Tiere zu Vegetariern machen wollen. Und das wiederum finde ich absurd.

P.S.: Das dürfte einige der Leser/innen hier interessieren: https://www.facebook.com/SerendipityGenussreich

  

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Der Artikel ist mal einer der Besseren, die ich gelesen habe, daher auch mein “Daumen hoch” für das Geschriebene.
Und auch die vielen Kommentar über mir sind wirklich gut überdacht.
Für den Fall, dass es wichtig wäre: ich lebe vegan, bevorzugt roh und in Richtung einer autarken Lebensweise.
Grundsätzlich ist es aber egal, wie man seine “Ernährungsweise” nennt, wichtig ist eher, dass man zurückkommt zu einem Leben, dass man nicht fremdbestimmt leben muss. Und das führt eben weg von den “Ernäherern ” hin zum selbst-gemachten Supermarkt.

  

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Ich finde auch jeder sollte machen was er selbst für richtig hält und auch in welchem Ausmaß. Ist doch egal wenn jemand Vegetarier ist aber dann trotzdem Leder trägt. Dann ist das eben so, herrje. Schlimm finde ich aber auch als Monster dargestellt zu werden, wenn man Fleisch ist. Andersrum ist das auch nicht OK.

  

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Windmeer: Meiner Meinung nach ist es aber gar nicht so wichtig, mit allem immer 100% konsequent zu sein. Lieber mitdenken, bewusst einkaufen und konsumieren – darum geht’s. Wenn alle ein klein wenig bewusster agieren, kann sich schon viel positiv verändern.

Besser hätte ich es auch nicht zusammenfassen können.

Henning: Wobei ja auch die Frage ist, wo die Tierquälerei aufhört bzw. anfängt und ob der Fleischkonsum bei glücklich gehaltenen oder gar in der Wildnis aufgewachsenen Tieren jetzt in Ordnung ist oder ob das Töten von Tieren zum Essen generell verwerflich ist.

Ob man nun selbst gehaltene Tiere, die glücklich aufgewachsen sind töten darf oder nicht, ist eine ziemlich philosophische Frage, ebenso, ob man diese generell töten darf. Ich würde mich hier dagegen entscheiden, einfach, weil Menschen Allesfresser sind, und heute nicht darauf angewiesen sind, Tiere zu töten, wie es früher war (das führen viele ja auch ganz gerne als Argument fürs Fleischessen an).
Die Tierwelt, finde ich, ist nochmals eine ganz andere Stufe, denn Tiere in der Wildnis sind darauf angewiesen, andere Tiere zu fressen (sofern sie Fleischfresser sind), und selbst wenn sie Allesfresser sind, haben wir die Fähigkeit, unseren Instinkten nicht automatisch nachzugeben zu müssen, sondern können sie beeinflussen und darauf basierend handeln.

Henning: Aber generell scheint es für mich in der Natur zu liegen, dass verschiedene Lebewesen anderen nach dem Leben trachten, um sie zu verspeisen.

Das mag schon sein, aber mit welchen Mitteln? Wir können das beeinflussen. Zurück zur Natur, oder es auf die Natur zu schieben, bedeutet für mich nicht, in den Supermarkt zu gehen und abgepacktes Fleisch zu kaufen.

Alex: Der Artikel ist mal einer der Besseren, die ich gelesen habe, daher auch mein “Daumen hoch” für das Geschriebene.

Danke. :)

Alex: Und auch die vielen Kommentar über mir sind wirklich gut überdacht.

Ja, keine Trolle! Echt schade, eigentlich. ;)

Alex: Grundsätzlich ist es aber egal, wie man seine “Ernährungsweise” nennt, wichtig ist eher, dass man zurückkommt zu einem Leben, dass man nicht fremdbestimmt leben muss. Und das führt eben weg von den “Ernäherern ” hin zum selbst-gemachten Supermarkt.

:daumen

Electrofairy: Ich finde auch jeder sollte machen was er selbst für richtig hält und auch in welchem Ausmaß. Ist doch egal wenn jemand Vegetarier ist aber dann trotzdem Leder trägt. Dann ist das eben so, herrje. Schlimm finde ich aber auch als Monster dargestellt zu werden, wenn man Fleisch ist. Andersrum ist das auch nicht OK.

So sehe ich das auch.

  

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