Eindeutiger Vorteil, den Führerschein später gemacht zu haben: kein widerliches Bogen-Papier-Gelerne. Eindeutiger Nachteil: der große Teil meiner Umwelt hat den Führerschein schon und kann meine Begeisterung fürs Fahren überhaupt nicht nachvollziehen, weil sie verdammt noch mal den Lappen schon vor zig tausend Jahren gemacht haben.

Nachdem ich gestern das zweite Mal aufm Wasen rumgefahren bin, bisschen anfahren, schalten, lenken und so lustige Sachen, ließ mein Fahrlehrer Jürgen* mich tatsächlich auf die Straße. Ich meine, mit einem Auto, so richtig auf einer richtigen Straße! Voll cool, ich bin fast ausgeflippt. (An dieser Stelle winken alle schon total genervt ab, everyday routine und so.) Und schwuppdiwupp ab in die City gecruist, fast in den fiesen Blitzer in Cannstatt, weil ich dachte, ich passe mich einfach der Geschwindigkeit an (60 km/h, voll schnell, wooohoo, nur den Karren in der Kurve nicht ausbrechen lassen).

In der Tiefgarage war das dann alles etwas eng und ungeschickt, und hier musste Jürgen mir tatsächlich mal ins Lenkrad greifen – aber hey, man kann ja nicht alles können. Rückwärts einparken war so beim ersten Mal auch nicht so der Knüller. Außerdem habe ich eine Handhaltung am Lenkrad wie manche mit ihren Weingläschen, kleiner Finger wegstrecken und so. Das hat mir Jürgen gleich mal wieder ausgetrieben.

Er schätzte mich nach eindringlicher Musterung erst auf neunzehn, Anfang zwanzig. “Wie, Du bisch siebnazwanz’g? Hosch Di aber gut g’halda! Bisch wenigschtens scho v’rheiraded und hosch Kend’r?” Nach Jürgen ist man fürs Heiraten und Kinderkriegen nämlich fast nicht zu alt. “Na ja, aber mit sechzeh brauchschd ja au no ed ofanga, gä.”

Ich rechne meine Fahrstunden übrigens nie in Stunden um, sondern in Euro. Eine kostet vierzig Euro, und zweihundert Euro habe ich schon verfahren. Man muss sich schließlich immer vor Augen halten, wie teuer der ganze Spaß ist (und wie viel man so beiseite legen muss, hmpfgrmbl).

Morgen um halb acht in der Früh geht’s schon wieder weiter, locker-lässig durch die City.

* Name von der Redaktion geändert, Anonymität und so.

flattr this!


Du kannst dir gar nicht vorstellen wie GESCHOCKT ich war in der ersten Fahrstunde direkt auf die Straße zu fahren! Also erst ging es noch auf einen schönen Feldweg, okay kein Ding – kaum saß ich hinterm Steuer war dort der Verkehr meines Lebens und der Fahrlehrer nur so, na ja dann können wir ja auch gleich… und zack war ich auf der Straße! Omfg! Bei mir ist es noch nicht so lang her (5 Jahre, äh? oje -.-) ich kann das noch total nachvollziehen^^ Meine coolste Fahrstunde war die, die total spontan stattfand und ich mich einfach selbst nach hause fahren sollte – wie ein Profi :D

  

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Großer Spaß beim Lesen – vielen Dank dafür :-)

  

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Electrofairy: Du kannst dir gar nicht vorstellen wie GESCHOCKT ich war in der ersten Fahrstunde direkt auf die Straße zu fahren!

Danke! Ging mir ganz genauso! Sofort die ersten Meter auf einer Bundesstraße. Immerhin an der ersten Ampel nach rechts auf nen geteerten Feldweg (ja, so nah liegt beides auf dem Land manchmal beieinander).

Aber was das Tempo anging, war ich anfangs eher vorsichtig. Ich weiß noch genau als ich mal auf ner Landstraße dann so richtig 100 fahren sollte. Der Fahrlehrer (“Kuddel” übrigens) musste mich regelrecht ermahnen, jetzt wirklich mal mehr als 90 zu fahren.

P.S.: Denke mal, die mangelnde Begeisterung deines Umfelds ist nicht nur deiner Spätzünderei geschuldet, sondern auch, dass die Sexyness von Autofahren ja eher nachlässt. Zum Glück.

  

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Ich bin begeistert. Erinnert mich dadran wie ich damals den Schein machte (6 Jahre her, gott, ich werd alt) und wie toll ich es fand :)

  

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haha . du hast einfach so einen genialen schreibstil :)
erinnert mich total an meine fahrstunden . ich bin mit 60 km/h herum gekrochen aber es hat sich angefühlt als wär’ ich auf einer rennstrecke unterwegs ;)

und ich hasse tiefgaragen :P jedes mal denk ich mir ‘da kommst du nie wieder lebendig heraus’ :D

  

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Stimmt schon. Wenn man sich schon eine Weile auf der Straße bewegt, hat man total vergessen, wie aufregend das eigentlich früher war.

Bzgl “sexyness” – das hat meiner Meinung nach gar nix mit zu tun. Autofahren bleibt nach wie vor interessant. Ich seh’ es im Umfeld von meiner Jüngeren Schwester, deren Umfeld auch zum Teil erst den Führerschein macht und die gleiche Begeisterung dafür aufbringt. Es ist einfach eine Frage des Alters.

Nichtsdestotrotz ist es schön, dass du dich so freust <3

  

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R.: Bzgl “sexyness” – das hat meiner Meinung nach gar nix mit zu tun. Autofahren bleibt nach wie vor interessant. Ich seh’ es im Umfeld von meiner Jüngeren Schwester, deren Umfeld auch zum Teil erst den Führerschein macht und die gleiche Begeisterung dafür aufbringt. Es ist einfach eine Frage des Alters.

Ich meinte ja, dass gesellschaftlich insgesamt das Thema Auto nüchterner und rationaler betrachtet wird. Vielleicht gilt das aber weniger fürs Fahren als mehr für den Besitz eines eigenen Autos (Carsharing lässt grüßen). Und das gilt besonders für die Jüngeren.

  

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Electrofairy: Du kannst dir gar nicht vorstellen wie GESCHOCKT ich war in der ersten Fahrstunde direkt auf die Straße zu fahren!

Wäre das wirklich meine erste Fahrstunde gewesen, wäre das für mich wahrscheinlich auch ein Schock gewesen. Aber in der Stadt direkt auf die Straße, so ohne jegliche Gewöhnung an ein Auto?

Electrofairy: Meine coolste Fahrstunde war die, die total spontan stattfand und ich mich einfach selbst nach hause fahren sollte – wie ein Profi :D

So muss es sein.

Felix’ Welt: Großer Spaß beim Lesen – vielen Dank dafür :-)

Gerne. :love:

Henning: Aber was das Tempo anging, war ich anfangs eher vorsichtig. Ich weiß noch genau als ich mal auf ner Landstraße dann so richtig 100 fahren sollte. Der Fahrlehrer (“Kuddel” übrigens) musste mich regelrecht ermahnen, jetzt wirklich mal mehr als 90 zu fahren.

Oh, echt? Ich bin gleich lustig auf die hundert. War voll gut. :freu

Henning: P.S.: Denke mal, die mangelnde Begeisterung deines Umfelds ist nicht nur deiner Spätzünderei geschuldet, sondern auch, dass die Sexyness von Autofahren ja eher nachlässt. Zum Glück.

Nee, eigentlich nicht. Das ist lediglich die Gewöhnung – die meisten in meinem Umfeld fahren ja recht gerne Auto, und wenn nicht, dann eher, weil sie ängstlich sind.

Chrissy: Ich bin begeistert. Erinnert mich dadran wie ich damals den Schein machte (6 Jahre her, gott, ich werd alt) und wie toll ich es fand :)

Hrhrhrhr.

sarah: und ich hasse tiefgaragen :P jedes mal denk ich mir ‘da kommst du nie wieder lebendig heraus’ :D

Man gewöhnt sich echt ganz gut dran – aber bei der ersten Fahrt war das schon sehr, sehr gewöhnungsbedürftig. :)

R.: Ich seh’ es im Umfeld von meiner Jüngeren Schwester, deren Umfeld auch zum Teil erst den Führerschein macht und die gleiche Begeisterung dafür aufbringt. Es ist einfach eine Frage des Alters.

Keine Frage des Alters – eher wegen “was Neues” und so. (Ich bin ja auch schon über das Alter hinaus …)

R.: Nichtsdestotrotz ist es schön, dass du dich so freust <3

:love:

Henning: Ich meinte ja, dass gesellschaftlich insgesamt das Thema Auto nüchterner und rationaler betrachtet wird. Vielleicht gilt das aber weniger fürs Fahren als mehr für den Besitz eines eigenen Autos (Carsharing lässt grüßen). Und das gilt besonders für die Jüngeren.

Ist aber auch nur dort so, wo man das Auto weniger braucht, war zumindest so meine Erfahrung.

  

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Frau J: Ist aber auch nur dort so, wo man das Auto weniger braucht, war zumindest so meine Erfahrung.

Ist ja schon mal was. Vor zehn Jahren hat es nicht so die Rolle gespielt, ob man es braucht. :-)

  

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Henning: Ist ja schon mal was. Vor zehn Jahren hat es nicht so die Rolle gespielt, ob man es braucht. :-)

That’s right!

  

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*gähn* :tux

bekommst du dihn fertig bis zum klassentreffen? dann kannst du mich dann heim fahren :D

  

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Ich kann das alles gut nachvollziehen, ist bei mir ja erst ein Jahr her. Allerdings durfte ich in de ersten Stunde nur lenken.

  

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Frau J:
Keine Frage des Alters – eher wegen “was Neues” und so. (Ich bin ja auch schon über das Alter hinaus …)

Ok, war nicht ganz richtig ausgedrückt. Ich mein damit, die meisten die “älter” sind haben den Führerschein somit auch schon länger und sehen deswegen die Begeisterung dafür nicht so.

  

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Ich fand Fahrschule immer furchtbar. Ich hatte totale Angst vor dem schnell Fahren. Mein Fahrlehrer schnauzte mich sogar in der 30er Zone an schneller zu fahren. Autobahn war mein absoluter Horror. Wieder rum in der Fahrprüfung war ich dem Prüfer zu schnell.. naja. Aber auch ich durfte an meinem ersten Tag sofort auf die Straße – Abholung vor der Haustür und ab ins kalte Wasser. Zunächst natürlich nur mit Lenken.
Habe allerdings absolut keine guten Erinnerungen an die Fahrschule, außer an die Musik im Auto. Wollte mir immer die CD ausleihen.. Lag aber vielleicht auch am Fahrlehrer – schließlich sind diese irgendwie alle etwas machohaft und ruppig – was mein zartes sechtzehnjähriges* Ich noch nicht so gut mitmachen konnte.
*Ich war der erste “Führerschein mit 17″ Jahrgang

  

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Hmm, also Pro für damals: “günstiger” hast vergessen ;-)

Ich hätte ja viel erwartet, aber das du so Feuer&Flamme dafür bist nicht nachdem du so viele Jahre zu Fuß und mit der Bahn unterwegs warst, deswegen freut es mich um so mehr.

Die sexyness des Autofahrens läßt nach? Das wäre mir neu und die Zulassungszahlen sprechen eindeutig dagegen, genauso wie die Anzahl der Führerscheinneulinge. Worauf brgründest du solche Aussagen Henning? Wunschdenken weil du der Grünen Partei angehörst? Oder ist das dein persönliches Empfinden?

  

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TiCar: Worauf brgründest du solche Aussagen Henning? Wunschdenken weil du der Grünen Partei angehörst? Oder ist das dein persönliches Empfinden?  

Es sind einfach viele Artikel wie dieser:
Der langsame Abschied von einem Statussymbol
Die emotionale Bindung an das Auto lässt deutlich nach
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/lebenszeit/2131473/

  

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Wenn man seinen Fuehrerschei macht redet man den ganzen Tag ueber nichts anderes. Ich hatte zum Glueck Uwe, der zur selben Zeit wie ich seinen Lappen gemacht hat. Ausser uns zwei hat das Thema Fahrschule niemand interessiert, waren eher genervt .
Bis man den Schein hat, und merkt: Wie scheisse seine Mitmenschen eigentlich fahren :D

  

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Mona: Lag aber vielleicht auch am Fahrlehrer – schließlich sind diese irgendwie alle etwas machohaft und ruppig – was mein zartes sechtzehnjähriges* Ich noch nicht so gut mitmachen konnte.

Ja, das kann ich allerdings gut nachvollziehen. Mit dem Typ Mensch muss man echt klar kommen – zumindest auf Zeit. :)

TiCar: Hmm, also Pro für damals: “günstiger” hast vergessen ;-)

Allerdings.

TiCar: Ich hätte ja viel erwartet, aber das du so Feuer&Flamme dafür bist nicht nachdem du so viele Jahre zu Fuß und mit der Bahn unterwegs warst, deswegen freut es mich um so mehr.

Na ja, nur weil ich bisher kein Auto hatte, heißt es ja nicht, dass ich es automatisch kacke finde. :D

TiCar: Worauf brgründest du solche Aussagen Henning? Wunschdenken weil du der Grünen Partei angehörst? Oder ist das dein persönliches Empfinden?

Sach mal, simmer hier beim Stammtisch oder was?

Lies La: Ausser uns zwei hat das Thema Fahrschule niemand interessiert, waren eher genervt .

Yeah. :liaf
Bei mir tun wenigstens alle so, als wäre es einigermaßen interessant. ALLES GUTE SCHAUSPIELER!

  

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