Als ich 1997 das erste Mal an einem PC saß und Visitenkarten mit “Arielles Druckstudio” gestaltete (ich war noch nicht so geübt, es war schwarze Schrift auf dunkelblauem Hintergrund) und zwei Jahre später anfing, mich mit Webseiten auseinanderzusetzen, war eigentlich schon abzusehen, wie ich später mein täglich Brot verdienen sollte.

In der neunten Klasse beschäftigten wir uns ausgiebig mit dem Thema Beruf und Bewerbung, und ich weiß noch, dass wir vier Stunden lang Zeit hatten, einen Test auszufüllen, der uns helfen sollte, den richtigen Beruf zu finden.
Es waren allerlei Fragen zu diversen Themen, zu unserer Person und unseren Hobbys. Schon damals beantwortete ich alle “Computerfragen” zu 100 % richtig, dann kombinierte die Auswertung meine “Kontaktfreudigkeit” von sagenhaften 4 % damit und schon kam als vorgeschlagener Beruf der Programmierer dabei heraus (wie klischeehaft).
Da meine Logik allerdings so ziemlich für den Arsch ist und neben dem gigantischen Computerwissen auch einen hohen Ausschlag bei “Kreativität” zu verzeichnen war – ich meine, es waren 84 % – verwarf ich das gleich wieder und nun ja, im Endeffekt wurde ich eben Mediengestalter.

Als ich 2007 meine Ausbildung begann, war das mit den digitalen Medien noch nicht besonders ausgereift, zumindest nicht in der Masse. Das spiegelte sich auch an den Schwerpunkten weiter: vier Klassen mit Schwerpunkt Print, eine mit Schwerpunkt Digital – meine Klasse. Damals machte man halt noch “Webseiten” – und für die meisten waren digitale Medien nicht mehr als eine “kleine IT-Abteilung”.

Auf Grund des Fakts, dass man es in diesem Bereich meistens mit Menschen zu tun hat, die ihr Hobby tatsächlich zum Beruf gemacht haben und sich dementsprechend sehr gut mit der Materie auskannten, hatten es die Lehrer nicht immer leicht, weil wir es einfach oft besser wussten. Das Niveau des Unterrichts war dementsprechend recht einfach, außer es ging um Theoriefragen, die eigentlich sowieso keinen interessierten (RGB-Werte in Hexadezimalzahlen umrechnen und solche Späße).

2007 lernte ich in meinem Ausbilungsbetrieb alle Programme aus der Adobe-Reihe – Photoshop beherrschte ich schon, hinzu kamen Illustrator, InDesign und Flash. Flash war damals noch ganz groß, und wir produzierten Flash-Image-Filme wie am Fließband. 2010, als ich meine Ausbilung erfolgreich abschloss, krähte kein Hahn mehr danach.

Als ich in meiner zweiten Agentur angestellt war, die sehr printorientiert war, erkannte ich, dass man selbst in solchen Läden den digitalen Aufschwung nicht mehr ignorieren konnte. Apps waren im Kommen, sogar der kleinste Kunde wollte eine Webseite und plötzlich benutzten alle soziale Netzwerke.
In dieser Zeit machte ich bis auf sehr wenige Ausnahmen nur noch Print und merkte, dass ich in Zukunft niemals mehr schwerpunktmäßig gedruckte Dinge entwerfen will. Es hat mich schlicht und einfach nicht glücklich gemacht, ganz im Gegenteil – sogar sehr unglücklich. Mir fehlte der schnelle Wandel, die neuen Techniken, das Neue-Dinge-Ausprobieren und vor allem: das Nicht-stehen-bleiben.

Ich weiß noch, als digitale Medien immer ein bisschen stiefbrüderlich zu den Printsachen behandelt wurden. Heutzutage sind sie gar nicht mehr aus dem Agenturleben wegzudenken, weil sich alles mehr in Richtung Online entwickelt und die Masse mitzieht: mit ihren Smartphones, mit ihren Tablets und den sozialen Netzwerken, in denen sie sich tummeln. Die digitale Landschaft entwickelt sich weiter, und somit erhöht sich auch der Nachwuchsbedarf, der in Sachen Digitalmedien gebraucht wird.

Mein Beruf wird eigentlich nie langweilig, einfach, weil es immer Neues gibt. Als ich mich in meiner neuen Agentur einarbeitete, beschäftigte ich mich nach langer Zeit wieder mit “aktuellen digitalen Themen” – mit responsive Design, also dem Optimieren einer Webseite für alle möglichen Endgeräte. Und natürlich mit Interface-Design, was Apps betrifft, und alles, was dazugehört. Alles neue Bereiche, die neue Herausforderungen schaffen, und somit meine Begeisterung, für das, was ich tue, fördern. Und das schöne ist: es bricht nicht ab.

Ich dachte vor über einem Jahr mal, dass dieser Beruf nicht das Richtige für mich sei. Heute lache ich mich für diesen Gedanken aus und sage: ein <3 für digitale Medien.

flattr this!


ein :tux für die digitalen medien!

geht mir ähnlich, bis darauf, dass ich meinen ersten eigenen computer schon 91 hatte und nie in einer print agentur gearbeitet hab.

  

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Freut mich zu lesen, dass deine Berufswahl für dich die richtige war :)

  

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Ich denke auch schon länger darüber nach, einen ähnlichen Blog-Eintrag zu schreiben. Mir geht es da allerdings anders als dir. Während meiner Ausbildung zur Mediengestalterin habe ich festgestellt, dass das auf gar keinen Fall ein Job ist, den ich bis an mein Lebensende (oder kurz davor) machen möchte. “Irgendwas mit Medien” ist eben doch oftmals nicht so hip und cool, wie viele in ihrer jugendlichen Naivität denken. Der Mediengestaltermarkt ist leider total überlaufen und nur wenige haben nach der Ausbildung das Glück, einen tollen und fair bezahlten Job ohne massig unbezahlte Überstunden zu bekommen – du gehöhrst offensichtlich dazu. :-)
Ich habe derweil die Richtung der beruflichen Bildung eingeschlagen und bin sehr glücklich damit, sowohl fachlich auf meiner Ausbildung aufbauen zu können, aber auch später andere Perspektiven zu haben.

  

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tux: geht mir ähnlich, bis darauf, dass ich meinen ersten eigenen computer schon 91 hatte und nie in einer print agentur gearbeitet hab.

Schultechnisch hatten wir immerhin fast denselben Lebenslauf. :tux

Chrissy: Freut mich zu lesen, dass deine Berufswahl für dich die richtige war :)

:love:

Windmeer: Ich habe derweil die Richtung der beruflichen Bildung eingeschlagen und bin sehr glücklich damit, sowohl fachlich auf meiner Ausbildung aufbauen zu können, aber auch später andere Perspektiven zu haben.

Das war auch mein eigentlicher Plan. Inzwischen möchte ich meine Zeit nicht für eine weitere Fortbildung oder Ausbildung “verschwenden”, weil ich nicht wüsste, was ich davon hätte. Aber vielleicht könntest Du mir da in einer Mail mehr dazu erzählen, würde mich interessieren.

bogus: Yay! \o/

:freu

  

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Yay! Weiß nicht, was ich sagen soll, ich freu mich einfach nur. :-)

Sehr schöner Artikel. Ich könnte glatt was Ähnliches über meinen Werdegang bis jetzt zur frischen Selbstständigkeit schreiben. Auch ich wurde oft in die IT-Ecke gesteckt. Für viele ist ja alles, was mit mehr als Word und Powerpoint zu tun hat, schon IT. Und wer da irgendwie mehr von weiß, ist eben schnell mal “Programmierer”.

Hach ja, irgendwie nostalgisch…

P.S.: Zu meiner Zeit war Flash noch von Macromedia! :kls

  

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Frau J: Das war auch mein eigentlicher Plan. Inzwischen möchte ich meine Zeit nicht für eine weitere Fortbildung oder Ausbildung “verschwenden”, weil ich nicht wüsste, was ich davon hätte. Aber vielleicht könntest Du mir da in einer Mail mehr dazu erzählen, würde mich interessieren.

Ich schreib dir demnächst mal eine Mail dazu. ;-)

  

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