Für die meisten ist Routine etwas, in dem sie sich sicher wiegen. Der Job, die Familie, Freunde oder ein bestimmtes Hobby – wenn alles nach Plan läuft, ist das Leben in Ordnung und die Zukunft gesichert.

Ich muss immer in mich reinlächeln, wenn ich merke, wie schwer es Leuten fällt, aus einer bestimmten Gewohnheit herauszubrechen, weil das für mich absolut kein Problem darstellt. Ich liebe es, wenn sich Situationen verändern, allerdings bin ich ein relativ introvertierter Mensch, und schließe nur langsam neue Bekanntschaften, was in sich etwas widersprüchlich ist, weil neue Situationen in der Regel andere zwischenmenschliche Beziehungen mit sich bringen. In dieser Hinsicht bin ich aber ausnahmsweise ein hoffnungsloser Optimist, weil ich mir denke: wenn sich das eine fügt, wird sich das andere schon geben. Insgesamt gehe ich da eh recht impulsiv an die Sache ran und verlasse mich da auch immer auf mein Bauchgefühl.

Man kann sich in so viele Richtungen weiterentwickeln: im Job, Hobbys, Beziehungen zu Freunden, Familie und dem Partner. Als ich meinen Job wechselte, dachte ich mir nicht, scheiße – meine Welt bricht in sich zusammen, ich hab Angst, was passiert jetzt – sondern: hey, cool, lass uns neu anfangen! Als sich meine WG aufgelöst hatte und ich mir etwas neues Suchen musste, sagte ich nicht: oh Gott, wie soll ich das meistern, sondern: yeah, eigene Wohnung! Und als ich mich einsam gefühlt habe, weil eine Wohnung für mich selbst doch nicht so toll war, beschloss ich spontan, wieder in eine WG zu ziehen, und das war gut so.

Die Sache mit Menschen ist natürlich ein ganz anderes Kaliber, weil da sehr viel Herz und Geschichte drinsteckt. In mein Leben sind viele Menschen eingetaucht, haben mich berührt, und sind wieder aus meinem Leben verschwunden. Vieles hat mit Emotionen zu tun, viel mit dem Thema, dass man plötzlich nicht mehr mit dem Menschen an sich klar kommt oder: dass Menschen einen Platz bei uns im Herzen finden, aber nicht in unser Leben passen, weil die Umstände dafür nicht gemacht sind.

Die krasseste Veränderung, die man meistern kann, ist eine Veränderung seiner selbst. Klar, verändert man sich meistens immer irgendwie weiter – jede Situation, die passiert, kann einen mal mehr, mal weniger stark beeinflussen.
Neulich meinte jemand zu mir, ich habe behauptet, ich hätte mich insgesamt sehr verändert in den letzten Monaten und wollte wissen, inwiefern. Ich musste tatsächlich darüber nachdenken, weil – klar, alles, was man halt so tut, und offensichtlich ist, kann man aufzählen. Wenn es aber im Kopf Klick macht, man vielleicht eigene Ideale, Meinungen und und Ansichten entwickelt, ist es gar nicht mehr so einfach zusammenfassbar. Man weiß nur, dass es irgendwann und irgendwo passiert ist.
Mit seiner eigenen Veränderung schafft man sich durch neues Denken und Handeln oft ein anderes Umfeld, denn: man eckt man plötzlich an anderen Menschen an, mit denen man sonst super auskam und findet neue Verbindungen zu anderen Menschen, mit denen man sonst nie etwas zu tun hatte. Und so trennt man sich oder findet neu zusammen.

Ich mag es, wenn mein Leben etwas chaotisch ist – Stillstand und absolute Ordnung wären für mich der Herztod. Oder anders: ich habe Angst, dass mein Leben irgendwo stagniert und sich nicht weiterentwickelt. Dass ich unzufrieden bin mit irgendwas, aber nicht ausbrechen kann oder will. Dass ich durch meine eigene Routiniertheit gezwungen bin, die Lösung zu ergreifen, die am nächsten liegt, nicht die, die ich am liebsten möchte.

Ich weiß nicht, warum das bei mir so ist, vielleicht, weil mein Leben immer unvorhergesehen lief, ich mich mit Dingen auseinandersetzen musste, für die ich nichts konnte und so eine ruhige und geordnete Stimmung gar nicht gewohnt bin – und diese auch gar nicht an mich heranlassen möchte, weil sie mir vielleicht Angst bereitet.

Ja – ich war mal so, mal so. Mal habe ich das getan, und fand das toll, später genau so und fand das dann scheißedoof. Ich sehe Dinge mal schwarz, mal weiß, mal grau – und wäre ich Politiker, könnte man mir alle Jahre nachsagen: “Aber damals, da hat sie das so gesagt, wie kann man nur so inkonsequent sein!” Ich denke, das ist alles in Ordnung so, denn die Veränderung in meinem Leben ist mein Dynamit.

Und wenn ich eines nie will, dann ist es, irgendwo stehen zu bleiben.

flattr this!


Schön gedacht, schön geschrieben. Punkt.

  

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wow . ich beneide dich echt um deine einstellung ..
bin leider ein hoffnungsloser fall von routine und gewohnheitsmensch :/

aber danke für deinen post . deine ansichten bringen mich echt zum nachdenken . dass ich jede veränderung nicht immer gleich als katastrophe (jaja . ich bin eine überpessimistin :) sehe sondern eher als neue interessante chance :)

liebe grüße .

  

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Schön geschrieben. =) Manchmal muss man auch einfach mal machen, statt zu denken. Ich denke manchmal zu viel, aber wenn man einfach mal macht, dann passieren neue Dinge und plötzlich hat man was ganz Neues zu denken. Widersprüchlichkeiten sehen manchmal auch nur von außen so aus – es hat ja mit der eigenen Entwicklung zu tun, würde man immer das gleiche machen, hieße das ja nur, dass man nicht darüber nachdenkt, was und warum man es macht. (oder das man immer zum gleichen Schluß kommt, das wäre natürlich auch eine Möglichkeit). =)

  

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Das hast du sehr schön geschrieben :)

  

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Danke Euch. <3

  

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Sehr schöner Text. Gut geschrieben.
Ich dagegen bin das totale Gewohnheitstier. Ich liebe Routine und brauche Routine. Ich mag es, wenn ich mich auf Gewohntes verlassen kann. So fühle ich mich persönlich am wohlsten.

Aber gerade beim Zwischenmenschlichen gibt es manchmal auch einen tollen Austausch. Die Gewohnheitstiere werden rausgerissen mal was neues auszuprobieren und der Spontane und Unnroutinierte lernt manchmal die Vorteile von Routine zu schätzen :)

  

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ich dachte immer, mein freund wäre pervers krass routiniert und alle anderen sein so mehr wie ich.wenn ich deinen text lese,finde ich mein handeln/denken/einstellung/wasauchimmer genauso dadrin wieder – ist denn diese spontanität und “heut mach ich das, morgen was anderes” so unverbreitet? :)

  

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R.: Aber gerade beim Zwischenmenschlichen gibt es manchmal auch einen tollen Austausch. Die Gewohnheitstiere werden rausgerissen mal was neues auszuprobieren und der Spontane und Unnroutinierte lernt manchmal die Vorteile von Routine zu schätzen :)

So muss es sein bei Gegensätzen – sonst verstünden sich Menschen auf der ganzen Welt nicht. Man darf sich da nur nicht ineinander verkeilen.

bonnie: wenn ich deinen text lese,finde ich mein handeln/denken/einstellung/wasauchimmer genauso dadrin wieder – ist denn diese spontanität und “heut mach ich das, morgen was anderes” so unverbreitet? :)

Mhm, was heißt unverbreitet – ich denke, beides ist relativ verbreitet oder ausgeprägt, bei den einen mehr, bei den anderen weniger. Und nur, weil Du das Gefühl verspürst, ausbrechen zu müssen, heißt es ja nicht, dass man es tut. Daher kann man diese Menschen offensichtlich nicht so schnell einordnen oder erkennen.

  

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Spät besser als nie. Schön geschrieben! Mir geht es ähnlich wie dir. Neue Sachen sind supergut.

  

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Frau J:
Mhm, was heißt unverbreitet – ich denke, beides ist relativ verbreitet oder ausgeprägt, bei den einen mehr, bei den anderen weniger. Und nur, weil Du das Gefühl verspürst, ausbrechen zu müssen, heißt es ja nicht, dass man es tut. Daher kann man diese Menschen offensichtlich nicht so schnell einordnen oder erkennen.  
  

mein freund sagt, genau das macht uns so spannend. er bekommt spontanität in sein leben durch mich, und ich eine gewisse struktur, die ich wohl nötig habe, sonst versinkt alles im chaos :D

  

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bogus: Spät besser als nie. Schön geschrieben! Mir geht es ähnlich wie dir. Neue Sachen sind supergut.

:love:

bonnie: mein freund sagt, genau das macht uns so spannend. er bekommt spontanität in sein leben durch mich, und ich eine gewisse struktur, die ich wohl nötig habe, sonst versinkt alles im chaos :D

Da hat er Recht. :)

  

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