Brüder beim Kochen

Gestern hatte ich die wahnwitzige Idee, ich könne ja zusammen mit meinem Bruder für den Rest der Familie kochen, und zwar: Ravioli. Ravioli zu machen ist kein Kunststück an sich, aber einfach unglaublich aufwändig, wenn man keine dieser tollen Formen hat, mit denen man es schafft, mehrere Teigtaschen auf einmal auszustechen.

Ich verabredete mich mit meinem Bruder auf halb elf am Morgen, um mit den Ravioli zu beginnen. Da er am Tag davor aus war, war er um die Zeit nicht mal zu Hause – und meine anderer Bruder war so orientierungslos in der Nacht, dass er sich anstatt in sein Bett auf das Sofa meiner Patchwork-Schwester zum Schlafen legte, und am nächsten Tag nicht mal wusste, wie er dahinkam (zumal er seine Brille in seinem Zimmer abgelegt hatte) – was mich aber jetzt nicht sonderlich überraschte. Ich hab sie schließlich schon vor dem Kamin, im Garten, in der Badewanne (mit Bettwäsche!) oder auf der Toilette aufgegabelt. Alles also im grünen Bereich.

Somit machte ich vierzig Ravioli (!) einfach mal selbst, hatte ja sonst nichts zu tun, außerdem beschissen geschlafen. Immerhin hat mir die Freundin T. meines Vaters noch geholfen, die Grundform auszustechen, sonst hätte ich statt insgesamt drei Stunden fürs Essen wahrscheinlich gleich für den Abend servieren und meinen rechten Arm tagelang nicht benutzen können – was tragisch gewesen wäre, schließlich bestehen unsere freie Tage zum größten Teil aus dem Nintendospielen, und hey, ich habe einen Ruf zu verlieren.
Jedenfalls hat alles super geschmeckt – zu den Ravioli gab es grünen und weißen Spargel, schön in Butter geschwenkt mit Parmesanspänen. Sogar mein Bruder, der sonst immer etwas am Essen auszusetzen hat, lobte meine Kochkünste. Vielleicht ist er aber auch einfach toleranter geworden, seit er in seiner Studentenbude selber den Kochlöffel schwingen muss.

Sonst waren die Tage eher ruhig – den größten Teil der Zeit waren wir eh beschäftigt, zu zocken (wenn ich verliere, kann ich sehr ausfallend werden), und zwar so, dass sich unser kompletter Schlafrhythmus nach hinten verschob (alles wie immer also) – nur dass wir nachts inzwischen gesünder kochen, als nur Pommes in den Ofen zu schmeißen wie in den Sommerferien ’99-’07. Man wird halt auch irgendwie erwachsener.
A propos erwachsener: heute Morgen haben wir versucht, meinem Bruder im Schlaf rosa Ohren anzuziehen und ein Foto zu machen, es ist uns aber leider nicht geglückt, weil er davor aufwachte.

Und na ja, so gehen die Tage halt um.

Dass Ostern ist, ging fast an uns vorbei, hätten wir die Freundin T. unseres Vaters nicht – nun ja, ist ja auch nicht so wichtig. Wir kümmern uns bis morgen einfach weiter um die wichtigen Dinge: essen, spielen, schlafen. Die bittere Realität holt uns schließlich schnell genug wieder ein.

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