In letzter Zeit gibt es immer mehr Dienste, die anbieten, einem die Lebensmittel perfekt portioniert zu Hause mit Rezepten abzuliefern. Man kann auswählen, wie viele Gerichte man möchte, für wie viele Personen man kocht, ob laktose- oder glutenfrei, vegetarisch – den Möglichkeiten sind schier keine Grenzen gesetzt. Somit bekommt man, je nachdem, wie man geordert hat, ein Mal pro Woche seine Lebensmittel, Rezepte, und kann diese dann verkochen, ohne einkaufen zu müssen.

Ich kenne viele Leute, die, wenn das Thema “Kochen” aufkommt, sagen: “Ich würde ja so gerne für mich kochen, aber als Single rentiert sich das überhaupt nicht.” Oder: “Ich würde ja selber kochen, aber das ist mir alles zu aufwändig. Einkaufen, und dann das ganze Schnippeln.”
Im Prinzip kann man sich, wenn man Single ist, super regelmäßig etwas zubereiten, wenn man sich im Vorfeld Gedanken macht, was man kauft und wie verbraucht. Hey, ich hab bei meinen ersten Spaghetti mit Tomatensoße auch für eine russische Großfamilie gekocht, weil ich nicht einschätzen konnte, wie viele Nudeln oder wie viel Kilo Tomaten ich brauche – aber das lernt man ja mit der Zeit. Genau so wie es ein Aufwand von vielleicht zehn Minuten ist, Gemüse oder Fleisch zu schneiden und vorzubereiten, wenn man nicht gerade ein Fünf-Gänge-Menü kochen will. Aber genau hier setzt das Konzept an.

Da die Menschen gefühlt mehr und mehr den Trend in Richtung gesunde Nahrung gehen (zumindest in meinem Umfeld, und was man so hört – vielleicht ist das aber auch selektive Wahrnehmung), aber immer mehr keine Lust oder Zeit haben, einzukaufen und sich auch noch zu überlegen, was man isst, läuft das mit Sicherheit recht gut – zumindest laufen mir immer mehr dieser Dienste über den Weg.
Fertigessen wird verpöhnt, man beschäftigt sich so ein bisschen mit dem, was im Essen drin ist, Koch-Blogs laufen wie blöd, Fast Food ist verschrien und sieht außerdem nicht mal so besonders gut aus, egal, welchen Instagram-Filter man nun wählt. Und so ist es ein Mittelweg zwischen “Ich will was essen, aber kein Fertiggericht”, “ich will was essen, aber nicht einkaufen” und “ich will was essen, das ich auch selber zubereitet habe, schnell geht und außerdem gesund ist”.

Auf den ersten Blick sieht das auch für denjenigen, der viel selbst kocht, echt sympathisch aus – immerhin ist es auch mal interessant, vielleicht mal neue Sachen zu probieren. Andererseits ist es auch eine negative Entwicklung, dass immer weniger Leute Lust haben, sich mit Lebensmitteln auseinanderzusetzen, nach Rezepten forschen, dies einkaufen, zubereiten und anschließend zu essen. (Ganz zu schweigen davon, dass immer mehr “nebenbei” essen, als das Essen ans sich zu genießen oder das Essen zusammen mit der Familie.) Aber wer weiß – vielleicht kann ein Kochabo dieser Art Menschen dazu bewegen, mehr zu kochen und vielleicht mal außerhalb des schon fertig abgepackten Zutatenbereichs nach neuen kulinarischen Zielen zu streben – kommt im Endeffekt immer auf die Motive des Einzelnen an. Die Zielgruppe wird aber wohl trotzdem eher der Typ Mensch sein, der sich sowieso gerne mit dem Thema Kochen/Essen/Lebensmittel auseinandersetzt und etwas bewusster lebt.

Eine andere Sache ist allerdings der Preis: Dieser ist für ein dauerhaftes Abonnement recht hoch, wenn man sich etwas mit den eigenen Einkaufspreisen auskennt. Klar, das Zeug muss organisiert und geliefert werden, aber mal im Ernst: vierzig Euro für drei Gerichte für zwei Menschen? Da geh ich lieber selbst einkaufen, für vierzig Euro koche ich aus meinen Zutaten mehr als das.

Bei mir hat sich das selbstständige Kochen erst in den letzten drei, vier Jahren entwickelt und läuft seitdem sehr gut. Ich lasse mich gerne hier und da von Leuten inspirieren und koche das dann nach eigenem Gusto nach.
Aber für den Einsteiger, der noch nicht allzuviel Koch-Erfahrung hat und auch gerne mal etwas mehr dafür bezahlt, um Dinge in richtiger Menge und regelmäßig mit Rezepten zu bekommen, ist das bestimmt interessant oder gar ideal. Nur kochen muss man dann noch selbst.

So ein Kochabo wäre für mich insofern interessant, mal neue Gerichte kennen zu lernen, ist aber nichts, das ich mir dauerhaft bestellen würde – ich gehe unglaublich gerne einkaufen, und möchte dieses “Erlebnis” nicht missen. Zudem ich auch vor Ort immer wieder neue Dinge entdecke, die ich dann ausprobiere.
Da ich das Ganze aber noch nicht getestet habe, lasse ich mich in der Hinsicht gerne eines besseren belehren.

Ein Beitrag aus der Rubrik: Kochen, und was ich dazu noch sagen wollte. (Inspiriert zu diesem Beitrag hat mich übrigens das letzte Montagsmeeting in meiner Agentur, als es um Supermärkte o.ä. ging, die “Rezeptboxen” (heißt: eine Tüte mit allem, was man für ein Gericht braucht fertig abgepackt) anbieten.)

flattr this!


Die Abo-Boxen sind tatsächlich spannend, aber teuer und gefährlich. Ich würde vermutlich vergessen mein Abo zu kündigen und wäre eine Woche später noch mal 40 Euro ärmer.

So Supermarkt-Tüten find ich relativ spannend, da man dort einfach etwas mitnehmen und ausprobieren kann. Habe ich allerdings noch nicht vor Ort gesehen. Wie liegen die denn so, preislich?

  

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Das Problem mit den Kochen liegt bei mir bei den speziellen verderblichen Sachen (Salat zb), weil es gibt nur ganze Köpfe. So greif ich immer auf den teueren fertig gewaschenen und eingeschweißten zurück.
Karotte, Lauch, Sellerie, kann man im Suppengrün-Bund kaufen, das ist dann immer noch viel aber günstiger und keine ganze Knolle oder Stange. Kräuter kann man die im Topf kaufen, und versuchen die am leben zu erhalten. Oder sogar selbst anpflanzen

Es gibt immer irgendwie nen Weg :)

  

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stiller: Die Abo-Boxen sind tatsächlich spannend, aber teuer und gefährlich. Ich würde vermutlich vergessen mein Abo zu kündigen und wäre eine Woche später noch mal 40 Euro ärmer.

Wobei ich meine gelesen zu haben, dass man die Option hat, einmalig zu bestellen.

stiller: So Supermarkt-Tüten find ich relativ spannend, da man dort einfach etwas mitnehmen und ausprobieren kann. Habe ich allerdings noch nicht vor Ort gesehen. Wie liegen die denn so, preislich?

http://www.kochhaus.de – allerdings habe ich mich nicht näher damit beschäftigt. Preise weiß ich gar nicht, müsste man mal recherchieren.

Chrissy: Es gibt immer irgendwie nen Weg :)

Darum geht es … ich kaufe auch viele Sachen nicht, die ich gerne mag, z.B. Stangensellerie. Ist einfach zu viel, als ich es verarbeiten könnte. Mache ich dann meistens, wenn ich Gäste habe.

  

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ich gehe unglaublich gerne einkaufen, und möchte dieses “Erlebnis” nicht missen.

typisch frau!

(um es nicht nur als unqualifzierten beitrag mit aus dem zusammenhang gerissenen zitat stehen zu lassen:) also rein formal ist der einzige eigene beitrag dabei die energiekosten für das kochen? da erscheint mir der gute alte lieferservice durchaus nachhaltiger und preiswerter.

  

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tb: also rein formal ist der einzige eigene beitrag dabei die energiekosten für das kochen? da erscheint mir der gute alte lieferservice durchaus nachhaltiger und preiswerter.

Es geht hier nicht darum, “nur” zu essen – sondern essen gerne zuzubereiten, sich aktiv mit Lebensmitteln auseinanderzusetzen, wissen was drin ist, und natürlich, das Gefühl, selbst etwas erschaffen zu haben. Preislich geht das, je nachdem, was man isst, mit dem Lieferservice in etwa gleich einher. Der Aufwand fällt natürlich weg.

  

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Frau J:
Es geht hier nicht darum, “nur” zu essen – sondern essen gerne zuzubereiten, sich aktiv mit Lebensmitteln auseinanderzusetzen, wissen was drin ist, und natürlich, das Gefühl, selbst etwas erschaffen zu haben. Preislich geht das, je nachdem, was man isst, mit dem Lieferservice in etwa gleich einher. Der Aufwand fällt natürlich weg.  
  

Naja, Aufwand schon. Immerhin muss der Müll aufgeräumt werden :D

  

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