Da ich am Wochenende Geburtstag hatte, habe ich am Samstag mit meinen engsten Freunden reingefeiert und bin dann Sonntagmittag gen Heimat gefahren, um dort noch mit der Verwandtschaft zusammenzukommen. Montag hatte ich frei genommen, und eigentlich wollte ich abends auch wieder zurückfahren – allerdings hat es bei uns richtig geschneit, so dass die Busse gar nicht oder mit ordentlicher Verspätung gefahren sind.
Ich hatte abends noch spontan überlegt, einen halben Tag Urlaub zu nehmen und gegen Mittag wieder bei der Arbeit sein, da ich aber um zehn einen Termin hatte, ging das leider nicht. So fuhr mich mein Vater morgens zum Göppinger Bahnhof – und das schon extra früh, da der Verkehr auf Grund des Schnees ganz schön stocken würde.

Und er behielt Recht: Bis zum Bahnhof dauerte es anstatt fünfundzwanzig Minuten gute fünfzig – ich hatte Glück und kam fünf Minuten vor Abfahrt am Bahnhof an, und wollte mir meine Fahrkarte kaufen. Ich war schon innerlich am Kotzen, als der Automat meinen Zwanziger natürlich nicht nahm, hatte auch keinen Geldbeutel dabei (klar, am Samstag daheim liegen lassen) und die Leute, die ich bezüglich wechseln fragte, hatten heute anscheinend auch nur ihre dicken Scheine dabei.

Also ging ich zum Kiosk am Bahnhof und fragte die Frau, etwa Anfang zwanzig, an der Kasse, ob ich wechseln könne. Sie meinte, sie könne die Kasse nicht aufmachen – also nahm ich ein Bonbon aus dem Regal, legte es auf die Theke, um es zu kaufen und Kleingeld zu bekommen. “Nö, dafür mache ich jetzt nicht extra die Kasse auf.”
Ich dachte erst, ich höre nicht richtig. “Ähm, bitte?” “Sie wollen ja nur Geld wechseln.” “… Ich kaufe etwas, dafür bekommen Sie Geld, und dafür können Sie ja auch die Kasse aufmachen.” “Nö, das mache ich nicht. Gehen Sie doch zu dem Bäcker da drüben.” Wtf?
Ich war daraufhin erst mal wirklich völlig perplex, weil ich gar nicht damit gerechnet hatte, dass es mir jemand verwehrt, meinen Zwanziger zu wechseln. Ich meine, ähm … hallo? Ich war so wütend, dass ich einfach nur mit einem Kick-Jump über die Theke springen und ihr eine reinhauen wollte. So richtig aus tiefstem Herzen. Ich hab gedacht, ich raff’s nicht mehr. Aber ich habe gelernt, immer höflich zu bleiben, weil Unhöflichkeit in diesen entscheidenden Fällen nie belohnt wird – und habe es mir verkniffen.

Somit “dankte” ich ihr für die “Gastfreundlichkeit” und ging extra zum Bahnhofsschalter. Hätte ich wohl einfach gleich tun sollen. Und weil ich noch so wütend war, orderte ich in Göppingen erst mal ein Ticket nach Göppingen, bis mich der freundliche Mann am Schalter darauf hinwies, dass ich bereits in Göppingen wäre.
Glücklicherweise, oder – wen wundert’s – hatte mein Zug fünf Minuten Verspätung, so dass ich ihn noch rechtzeitig erwischte. Sonst hätte ich nochmals eine fünfundvierzig Minuten warten müssen und dann schwöre ich Euch, wäre ich nochmals in den Kiosk geschlappt und hätte eine Grundsatzdiskussion angefangen.

Danke für nichts.

flattr this!


Nee nee, die Jugend von heute. Ist sogar zu faul um bei der Arbeit zu arbeiten. Nee nee, sowas hätte es früher – in unserer Jugend – aber nicht gegeben.

  

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Ernsthaft jetzt?

  

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Dann mal alle Gute nachträglich. :)

  

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Deshalb kauf ich meine Tickets online

  

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Erstmal nachträglich alles Gute zum Burzeltag. :)

Was die gute Kioskfrau betrifft, darf ich mal Mompfred zitieren: “Immer uffd Fress, mit d Bumbewasserzong!” ^^

  

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Nunja, wird ihre Gruende gehabt haben, wer weiss das schon. Ich haette das Bonbon einfach gegessen. Dann waere sie in Zugzwang oder ein Bonbon waere als Gewinn rausgesprungen. Formaljuristisch haette das wohl keinen privatrechtlichen Vertrag ergeben, aber das muss ja nicht erwaehnt werden.

Vor einiger Zeit stand ich an der Kasse im Supermarkt hinter einer alten Frau. Sie hatte irgendeinen kleineren zweistelligen Betrag zu zahlen. Daraufhin fing sie an in ihrem Geldbeutel zu kramen. Unter gespannten Augen aller Beteiligten. Nachdem alle schon locker gedanklich in Cent/Rappen von 1 bis zum zu zahlenden Betrag und zurueck zaehlen konnten, gab sie es auf und zueckte einen 1000 Franken Schein. Hat keine der anderen umstehenden Personen verwundert, nur ich war (damals) irritiert. Wohl andere Kulturen. Hier meint “kleine Stückelung” am Automaten auch 200er und 100er Scheine. In Deutschland wird man schon als kriminell eingestuft wenn man mit mehr als 100 an der Tansktelle oder Media Markt zahlt :/

  

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Morten: Nee nee, sowas hätte es früher – in unserer Jugend – aber nicht gegeben.

;)

Chrissy: Ernsthaft jetzt?

Yes.

Daniel Weigelt: Dann mal alle Gute nachträglich. :)

Danke. :)

jeannie: Deshalb kauf ich meine Tickets online

Ich nicht. Oder geht das schon übers Handy? ;)

Denis: Was die gute Kioskfrau betrifft, darf ich mal Mompfred zitieren: “Immer uffd Fress, mit d Bumbewasserzong!” ^^

Hahaha, klar.

tb: Nunja, wird ihre Gruende gehabt haben, wer weiss das schon. Ich haette das Bonbon einfach gegessen. Dann waere sie in Zugzwang oder ein Bonbon waere als Gewinn rausgesprungen. Formaljuristisch haette das wohl keinen privatrechtlichen Vertrag ergeben, aber das muss ja nicht erwaehnt werden.

Das hätte mir mal früher einfallen sollen. MIST!
Und dass sie ihre Gründe hatte, davon gehe ich stark aus.

tb: Wohl andere Kulturen. Hier meint “kleine Stückelung” am Automaten auch 200er und 100er Scheine. In Deutschland wird man schon als kriminell eingestuft wenn man mit mehr als 100 an der Tansktelle oder Media Markt zahlt :/

Oder mein Favorit: beim Bäcker. Hust.

  

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Was wohl ihr/e Chef/in dazu sagen würde, dass sie sich weigert, Produkte zu verkaufen?! Denn WARUM du etwas kaufst, kann ihr ja herzlich egal sein.

  

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Henning: Was wohl ihr/e Chef/in dazu sagen würde, dass sie sich weigert, Produkte zu verkaufen?! Denn WARUM du etwas kaufst, kann ihr ja herzlich egal sein.

So war unter anderem auch meine Argumentation, aber da war sie schon bockig.

  

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Traurig irgendwie. Irgendwie aber auch verständlich, stell dir mal vor, du sitzt den ganzen Tag in so nen Shop im Bahnhof rum und alle fünf Minuten kommt einer rein und wills gewechselt bekommen.

Da kommt mir grad eine Geschäftsidee: Wechselstuben direkt neben den DB-Automaten :)

  

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Chrissy: Traurig irgendwie. Irgendwie aber auch verständlich, stell dir mal vor, du sitzt den ganzen Tag in so nen Shop im Bahnhof rum und alle fünf Minuten kommt einer rein und wills gewechselt bekommen.

So was habe ich auch vermutet, aber dann macht man das halt nach außen kenntlich.

  

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