Sierra

Mein Wochenende war ausnahmsweise voll gepackt mit Aktivitäten: Die erste war, am Freitag noch bis abends um halb zehn bei Weißwein in der Agentur zu lümmeln, und das, obwohl ich eine Stunde später in der Stadt vorm Schocken verabredet war, wo mein Kollege auflegen sollte. Da ich aber totaaal flexibel bin, war das gar kein Problem.

Da ich mein Abendessen durch Wein ersetzt habe, hatte ich einen riesigen Hunger, als ich in der Stadtmitte ankam. Ich steuerte somit zielsicher zum Chinesen meines Vertrauens – was eigentlich gar nicht stimmt, in dieser Situation war mir das aber egal, ich hatte einfach einen SCHEIßHUNGER (das Wort “SCHEIßHUNGER” hat es übrigens seitdem in mein iPhone-Wörterbuch geschafft und wird vorgeschlagen, wenn ich “scheiße” eingebe). Sehr glücklich über meine Nudel-Box mit viel Gemüse wusste ich gar nicht, was ich zuerst tun sollte: zum Treffpunkt laufen, weil ich schon fünf Minuten zu spät war, oder essen, weil ich einen SCHEIßHUNGER hatte. Daher machte ich einfach beides gleichzeitig.
Dort angekommen, schaufelte ich den Rest Nudeln in mich hinein (ist eigentlich sonst echt nicht mein Stil, ehrlich!), und selbst meine Verabredung musste warten, bis ich halbwegs gegessen hatte, und überhaupt in der Lage war, sie zu begrüßen.

Nun ja, meine Clubbing-Nacht dauerte nicht lange an, da ich nicht für Clubbing-Nächte gemacht wurde. Irgendwann gegen drei Uhr passte mein Hintern nicht mehr mit den ganzen anderen Hintern auf die Tanzfläche, daher bin ich einfach gegangen.

Samstagabend besuchte ich meine beste Freundin R. zu Hause im schönen (?) Stammheim. Eigentlich wollten wir auf den Wasen, aber mit dem Wasen am (letzten) Wochenende verhält es sich ungefähr so, wie auf einer Tanzfläche nachts um drei in einem guten Club: kein Platz mehr für mehr Hintern. Somit schauten wir “unseren” Film, danach den “anderen” Film und machten uns über unser Essen und zweieinhalb Weinflaschen her.

Nach viel Wein kommt in der Regel die Politik, und zwar sehr kontrovers. Und Politik ist in Stuttgart gerade ein heißes Thema (und nach Stuttgart 21 ein mehr emotionales), weil nächsten Sonntag Oberbürgermeister-Wahlen sind, zwischen dem Grünen Fritz Kuhn und der CDU dem parteilosen Sebastian Turner, der sich neulich sogar die Bundeskanzlerin nach Stuttgart holte (na ja, sie war wahrscheinlich auch froh, wieder in Berlin zu sein), die dann im strömenden Regen ihre Rede hielt, die ich nicht verstand, weil die Immer-noch-Extrem-S21-Gegner anscheinend immer noch nichts Besseres zu tun haben, als Freitag mittags um fünfzehn Uhr permanent “Lügenpack” zu brüllen.
Ich mag den Turner aus sehr vielen Gründen auch nicht, in erster Linie wegen seiner unsportlichen Art, seine Meinung kund zu tun. Ständig auf dem anderen herumhacken, und Dinge im Wahlkampf zur Mobiliserung von Wählern nutzen, von denen nie die Rede waren (Stichwort: City-Maut) finde ich nicht sehr professionell, aber was soll man machen: Nach dem ständig neue Mängel beim Bahnprojekt Stuttgart 21 auftreten – entgleisende Züge und fehlendes Brandschutzkonzept – und nun ja, der Mappus, den finden gerade ja auch nicht alle so toll. Da geht halt die Glaubwürdigkeit schon etwas flöten. Aber lange Rede, kurzer Sinn: ausreden lassen kann man ihn ja trotzdem.

Der Abend endete jedenfalls damit, dass wir “Die Doofen” hörten, sich der Nachbar beschwerte und wir dann langsam aber sicher ins Bett sind. Wir sind halt auch keine zwanzig mehr.
Und nachdem ich den Sonntag bis halb drei im Bett herumgammelte, ging dieser auch viel zu schnell herum. Immerhin kann ich heute etwas Erfreuliches verkünden: Ich habe die Probezeit überstanden.

In diesem Sinne: Einen etwas verspäteten happy Wochenstart.

flattr this!


Ich glaube ja, die Beschwerde vom Nachbarn kam erst, als ich die Backstreet Boys aufgelegt habe :p

  

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Uuuh, mächtig Action im Leben des Pansens

  

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Ich bin jünger als du und halte abends meist nicht so lange durch. Yeah.

  

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Wir sind halt auch keine zwanzig mehr.

Wir sind zu alt für so ein Scheiß.

  

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Ich hoff ja echt, dass die Lügen vom Turner nicht verfangen. So dreist muss man erstmal sein!

Aber wenn die Leute wieder halbwegs so wählen wie beim ersten Wahlgang, dann ist ja alles im grünen Bereich. :-)

  

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Jetzt fühle ich mich erst richtig alt (werde übermorgen 33). Trotzdem wieder mal ein wunderbar unterhaltsamer Text. Kompliment und Danke dafür!

(PS: Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, wie komisch das Wort Kompliment wird, wenn man es ganz langsam liest? Aber das nur am Rande und daher in Klammern)

  

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Morten:
Wir sind zu alt für so ein Scheiß.  

So sieht’s aus.

  

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Fräulein: Ich glaube ja, die Beschwerde vom Nachbarn kam erst, als ich die Backstreet Boys aufgelegt habe :p

Ich weiß nicht, was ich als Nachbar besser finden würde – Backstreet Boys oder Die Doofen. Nun ja, wahrscheinlich weder noch, weil ich einfach zu alt wäre. :liaf

Chrissy: Uuuh, mächtig Action im Leben des Pansens

Da geht’s ab.

Morten: Wir sind zu alt für so ein Scheiß.

Clubbing? Also fürs Clubbing war ich schon immer zu alt. Ich hab nach drei Stunden meistens keinen Bock mehr, und will dann einfach nur heim.

Henning: Aber wenn die Leute wieder halbwegs so wählen wie beim ersten Wahlgang, dann ist ja alles im grünen Bereich. :-)

Wir lassen uns überraschen! (Und äh, ja, finde ich auch sehr dreist.)

Felix’ Welt: Kompliment und Danke dafür!

Danke. :)

Felix’ Welt: (PS: Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, wie komisch das Wort Kompliment wird, wenn man es ganz langsam liest? Aber das nur am Rande und daher in Klammern)

Ich kenne das so ziemlich von allen Worten, dass sie nach längerer Betrachtung komisch aussehen und sich komisch anhören. Hatte das neulich mit dem Wort “bloß”. :roll:

  

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