Weindorf

Letzten Freitag wollte ich mit meiner Freundin Pisa P. nur ein Gläschen Wein auf dem Stuttgarter Weindorf trinken. Wie man so weiß, sind die Vorhaben, an denen man am wenigsten plant, die Vorhaben, die einem am nächsten Tag am meisten Kopfschmerzen bereiten (letztes Event: Kneipentour durch den Stuttgarter Westen und “Ich komm nur auf ein Bier*!”).

Nachdem wir also schon zwei Gläser hatten, trafen wir noch einen weiteren Freund plus dessen Freund am besagten Ort, um zusammen noch zwei Flaschen Wein zu trinken, danach in eine Bar zu gehen (keine Ahnung mehr, welche, und da waren auf einmal noch mehr Leute), um dort einen “abschließenden” Tequila zu trinken – als ich ich plötzlich noch die hervorragende Idee hatte, ins Libero einzukehren, wo mein Kollege auflegte. Sozusagen die Entscheidung des Todes.

Im Libero traf ich dann weitere Kollegen, mit denen ich dann auch ein paar Tequila trank, bis mein Körper mir signalisierte, dass es langsam Zeit wäre, aufzuhören. Da beschloss ich, zu gehen – einfach so. (Zumindest rede ich mir das ein.) Ich überlegte, dass es ganz schön weit von der Olgastraße in den Westen ist (in diesem Zustand), und googelte mit meinem Handy nach einem Taxi (“zaxib sturtgySt”), was mir nicht glücken wollte. Mit beschwerlichem Gang ging ich also die Immenhofer hinab. Am Ende fand ich mich am Ende der Reinsburgstraße wieder und frage mich heute noch, wie zur Hölle ich es über die Paulinenbrücke geschafft habe – da ist verdammt noch mal Baustelle und kein Durchkommen, ohne über Gerüste zu klettern … Aber okay, ist ja auch egal. Ich lebe ja noch.

Im Prinzip hätte ich im nüchternen Zustand noch zehn Gehminuten vor mir gehabt, ich fürchtete aber, dass das noch längere Zeit in Anspruch nehmen könnte. Kennt ihr den Moment, in dem ihr innerlich kapituliert? Das war so einer. Ich war kurz davor, mich selbst tierisch zu bemitleiden und mein Kopf gegen die nächste Häuser-Steinwand zu hauen, als plötzlich ein Taxi neben mir hielt.
Der Fahrer fragte mich, ob er mich nach Hause bringen solle, ich könne bestimmt ein Taxi gebrauchen. Und ich lehnte mich halb lässig ans offene Fenster und lallte halb weinend, halb erleichternd und ein bisschen überglücklich: “Bitte … BITTE … BRING MICH NACH HAUSE!” Das dauerte keine fünf Minuten. Und er wollte dafür nicht mal meine fünf Euro, die ich ihm für die Strecke und seine Geste noch anbot.

Nachdem ich gegen halb vier am Morgen daheim war, wollte ich doch tatsächlich um zehn aufstehen (hahaha!) und einkaufen gehen, verwarf das nach dem Duschen aber schnell wieder und legte mich mit nassen Haaren zurück in mein Bett, um nach dem Aufwachen sieben Stunden später festzustellen, dass ich aussah wie Lämmermann. So saß ich dann um fünf nachmittags in der Nordsee in der Fressgasse mit Pommes und Cola, ließ mich durchs Fenster begaffen und überlegte derweil, was einen Taxi-Fahrer dazu bewegt, Menschen umsonst umherzufahren. Ich kam zu dem Entschluss, dass ich wahrscheinlich so jämmerlich aussah, dass es ihm seine quasi noch vorhandene Rest-Menschlichkeit befohlen hat, mich mitzunehmen. Genau weiß ich es aber nicht mehr. Vielleicht habe ich mich auch vor sein Auto geworfen.

Lange Rede, kurzer Sinn – was ich letztendlich sagen wollte, oder wofür ich den Beitrag schrieb (besser spät als nie): für den Taxi-Fahrer. Vielen Dank, dass Du mich nach Hause gebracht hast. Danke, danke. Das gibt viele Karma-Punkte.

* Im Endeffekt war es ein Bier. Der Rest war Schnaps.

flattr this!


Solltest du mal in der Nähe sein.. Let’s get drunk.

  

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Hahaha jetzt muss ich an Lämmermann und herumfliegende Ikea-Kinderstühle denken. Aber echt nett von dem Taxifahrer.

  

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Der blöde Alkohol! Hab ich ja gestern schon erwähnt…. :D

  

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Herrlich menschlich! DerTaxifahrer war da nur noch das Sahnehäubchen.

  

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Darya: Solltest du mal in der Nähe sein.. Let’s get drunk.

We will do so, kanjeschna!

Caro: Hahaha jetzt muss ich an Lämmermann und herumfliegende Ikea-Kinderstühle denken.

Ich kann mich gar nicht aktiv erinnern, das jemals bewusst gesehen zu haben – mir blieben nur die Haare sehr gut in Erinnerung. :)

mona: Der blöde Alkohol! Hab ich ja gestern schon erwähnt…. :D

Sowieso. Der böse, böse Alkohol.

Lisa: Herrlich menschlich! DerTaxifahrer war da nur noch das Sahnehäubchen.

True story. :)

Chrissy: Zu Geil :D

:daumen

  

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Wer zur Hölle lässt dich mitten in der Nacht einfach alleine nach Hause gehen? Oder bist du so ein “Ich-verpiesel-mich-klammheimlich-ohne-was-zu-sagen”-Typ? Ich denke da ja sofort an den bösen Mörder, der hinter der nächsten Ecke auf mich wartet. Aber ich gucke vielleicht auch nur die falschen Filme.

  

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Geil, Frank Lämmermann, völlig verdrängt. Und yay für den Taxifahrer! Dangerseekerette!

  

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Katja: Oder bist du so ein “Ich-verpiesel-mich-klammheimlich-ohne-was-zu-sagen”-Typ?

Eigentlich nicht, da schon. Über Mörder oder so habe ich in dem Moment gar nicht nachgedacht. :nixwiss

stiller: Und yay für den Taxifahrer! Dangerseekerette!

Yeah! Geht ab.

  

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Tausende von Frauen gehen nachts alleine nach Hause und es passiert nichts. Und das ist auch gut so. :-)

P.S.: An die Bar dazwischen erinnere ich mich auch nicht mehr.

  

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Henning: Tausende von Frauen gehen nachts alleine nach Hause und es passiert nichts. Und das ist auch gut so. :-)

Ja. Traurig genug, dass man das so sagen muss. :/

  

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J: Ja. Traurig genug, dass man das so sagen muss. :/  

Muss man ja eigentlich gar nicht. Es sind nur anscheinend viele Leute so erzogen worden, dass man hinter jeder Ecke nen Mörder vermuten muss. Aber bis auf bestimmte Ecken, wo man vielleicht wirklich vorsichtig sein sollte, ist das doch alles übertrieben. Sonst würden wir alle längst nicht mehr leben.

  

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