Okay. Wir sind in der Regel Profis auf unserem Gebiet, und die anderen nicht. Dafür sind Werbeagenturen ja auch da – um andere in beratender Funktion zu unterstützen. Meistens klappt das auch, weil es in größeren Unternehmen Marketingabteilungen gibt (und wenn man nicht gerade an einen Theoretiker-Frischling aus der Uni/Mensch, der noch nie einen Computer bedient hat/beliebig erweiterbar (Vorschläge werden angenommen) gerät). Jeder hat mal jung angefangen, jeder muss sich mal mit neuen Themen auseinandersetzen und tritt in seine anfänglichen Fettnäpfchen.
Manchmal hat man aber auch Kunden, die von Werbung nicht so viel verstehen, sich aber auch nicht beraten lassen wollen oder es eben besser wissen als wir. Am Anfang kämpft man noch um jeden letzten Rest des guten Aussehens, irgendwann scheißt man drauf und macht es einfach.

Ich arbeite jetzt seit fünf Jahren in meinem Beruf der eierlegenden Wollmilchsau (“Kannst Du Print? Und Web? Auch ein bisschen HTML? Programmieren? Flash? HTML5-Animationen? Kennst Du Dich mit Social Media aus?”) und habe schon öfter den Kopf geschüttelt. Hier also meine persönlichen Favoriten.

Fall: Wie funktioniert eigentlich Print?

Ich: “Wir brauchen das Bild mit einer Auflösung von 300 DPI, sonst sieht es nach dem Druck total verwaschen aus.”
Kunde: “Wieso, wenn ich es hier auf meinem Drucker ausdrucke passt es doch auch?”

Passiert eigentlich selten, und wenn, dann auch nur bei kleineren Unternehmen, die mit Werbung nicht so viel am Hut haben und ihre Anzeigen auch vom Praktikanten in Word erstellen lassen.

Fall: Wie, Bilder … zippen?!

Ich: “Könnten Sie mir das Bild zuschicken?”
Kunde: Schickt mir eine Word-Datei, in die alle Bilder eingebettet sind.

Es wird mir ein ewiges Rätsel bleiben, wieso Menschen Bilder in Word-Dateien packen und verschicken. Wirklich.

Fall: JPEG des Todes.

Ich: “Wie groß brauchen Sie das JPEG denn?”
Kunde: “Hm, vielleicht so 5 MB?”

Ich finde es sehr seltsam, wie man bei dieser Frage an die Dateigröße denken kann, denn: jeder, der sich etwas auskennt, weiß, dass es schwer möglich ist beziehungsweise meist gar keinen Sinn hat, eine Datei nach Dateigröße anzulegen.

Fall: Pixel … Vektor – hä?

Ich: “Haben Sie das Logo auch als Vektordatei?”
Kunde: “… anbei erhalten Sie das Logo als TIF-Datei.”

Lieber fragen, als falsch schicken.

Fall: Immerhin nicht in Word.

Ich: “Könnten Sie mir die Bilder zumailen?”
Kunde: Schickt mir alle 40 Bilder einzeln per Mail.

Ich frage mich, was zeitwaufwändiger ist: Alles in einer Word-Datei zu bekommen und neu anzufordern oder alle E-Mails zu empfangen und die Anhänge zu entpacken. Oder Schlimmer: Der Kunde mit der Word-Datei schickt danach alles einzeln. Jackpot!

Fall: Eingebundene Schrift vs. websichere Schrift.

Kunde: “Wenn ich unsere Webseite aufmache, kommt erst kurz eine andere Schrift, bevor die richtige erscheint.”
Ich: “Das liegt daran, dass wir keine websichere Schrift verwenden und die andere Schrift – je nach Internet-Geschwindigkeit – länger zum Laden braucht.”
Kunde: “Wir wollen das nicht, können wir eine andere Schrift benutzen?”
Ich: “Ja, es gibt eine Auswahl an websicheren Schriften …”
Kunden: “Aber wir wollen genau die Schrift in websicher.”
Ich: “…”

Mehr Möglichkeiten, mehr Schriften einzubinden, ergeben oft auch mehr Probleme.

Fall: Wenn Kunden nicht wissen, was sie wollen.

Kunde: “Ich möchte ein neues Logo/eine neue Webseite/einen neuen Flyer.”
Ich: “Okay, und was genaue stellen Sie sich vor?”
Kunde: “Seien Sie doch mal kreativ! Überraschen Sie mich!”
(Einige Tage später.)
Ich: “Anbei die ersten Entwürfe für Ihr neues Logo/Ihre neue Webseite/Ihren neuen Flyer.”
Kunde: “Aber so haben wir uns das gar nicht vorgestellt …”

“Seien Sie mal kreativ!” – der Satz, den jeder gerne hört. :liaf Manch einer denkt ja, dass es gut sei, wenn man alle Möglichkeiten der Welt hat. Die Wahrheit ist: es ist selten gut. Denn entweder trifft man voll ins Schwarze, verkackt es, oder hat irgendwas Mittelmäßiges. Meiner Meinung nach zu viele Möglichkeiten, etwas falsch zu machen.

Fall: Manchmal ist es schwierig, eine Entscheidung zu treffen.

Kunde: “Vielen Dank für Ihre Entwürfe. Ich konnte mich nicht entscheiden und habe jetzt die komplette Marketingabteilung/die ganzen anwesenden Kollegen/meine Familie gefragt, welche Version am besten ist, und wir entscheiden uns für Version 3.”

Ich frage mich, wieso diese Menschen den Job machen, den sie haben, wenn sie sich davor scheuen, selbst Entscheidungen zu treffen, für die sie nun mal zuständig sind.

Fall: Alles muss am besten schon gestern fertig sein.

Kunde: “Ich brauche die angehängte PowerPoint-Datei gedruckt in A0.”
Ich: “Bis wann?”
Kunde: “Am besten noch heute Abend.”

Und wehe, es funktioniert nicht.

Fall: Was ist eigentlich noch mal ein Störer?

Kunde: “Bitte fügen Sie folgenden Text in den Störer: ‘Bitte klicken Sie hier, nehmen Sie dann am Gewinnspiel teil und gewinnen Sie mit etwas Glück einen von vier megatollen schicken BMWs, der sich besonders gut fahren lässt und 250 PS hat.’”
Ich: “Der Störer ist höchstens 100×100 Pixel breit.”
Kunde: “Dann machen Sie Schrift einfach kleiner.”

Das muss man nicht kommentieren.

flattr this!


Aah – ich liebe Word-Dateien. Mein bester Favorit war bisher ein Logfile, das ich angefordert hatte.
Was ich bekommen hatte waren drei Screenshots von Notepad, von der gleichen Datei (heruntergescrollt halt) – und das ganze in einer Word-Datei.

  

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Yeah, Bilder in Word-Dateien sind mir auch die Liebsten.
Oder nach der Frage, ob der Kunde sein eigenes Logo irgendwie als Vorlage hat, bekommt man die Visitenkarte in s/w gefaxt. Da überlegt man sich drei mal, ob man sich die Mühe machen soll, dem Kunden zu erklären, was “digitale” Vorlage bedeutet (von Vektordateien fängt man da lieber erst gar nicht an).
Allerdings arbeite ich auch auf dem Land, da kommt sowas leider viel zu häufig vor. Auch mit der Frage, ob ich den Entwurf für ein (farbiges) Produkt nicht faxen kann, muss man sich herumplagen…
Macht doch immer wieder Spaß.

  

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Fortgeschrittene Kunden schicken Bilder nicht in Word-Dateien, sondern in Excel.

Am liebsten habe ich übrigens ausgedruckte Screenshots mit handschriftlichen, selbstverständlich unleserlichen Notizen, die uns per Fax erreichen. Fax!

  

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Oh ja! Auch schön, zum Glück aus früherer Erfahrung und nicht mit unseren jetzigen Kunden:

Ich: Hier sind unsere Vorschläge 1 und 2. Wir empfehlen Variante 2.
Kunde: Sehr schön. Wir nehmen 1.

Führt nach regelmäßiger Wiederholung zu:

Ich: Hier sind unsere Vorschläge 1 und 2. Wir empfehlen Variante 1 (obwohl wir eigentlich 2 besser finden, aber das verraten wir Ihnen nicht).
Kunde: Sehr schön. Wir nehmen 2.
Ich: YIPPIEYIPPIEYEAHYIPPIEYEAH!

  

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Heiko: Was ich bekommen hatte waren drei Screenshots von Notepad, von der gleichen Datei (heruntergescrollt halt) – und das ganze in einer Word-Datei.

Is’ klar. :fowgel

Yvi: Oder nach der Frage, ob der Kunde sein eigenes Logo irgendwie als Vorlage hat, bekommt man die Visitenkarte in s/w gefaxt.

:roll:

Ulli: Allerdings arbeite ich auch auf dem Land, (…)

Da muss man sich durch so was kämpfen? Okay – krass. So oldschool hatte ich es tatsächlich noch nie.

Yvi: Fortgeschrittene Kunden schicken Bilder nicht in Word-Dateien, sondern in Excel.

Excel kann ich ja noch weniger leiden.

Yvi: Am liebsten habe ich übrigens ausgedruckte Screenshots mit handschriftlichen, selbstverständlich unleserlichen Notizen, die uns per Fax erreichen. Fax!

FAX!

stiller: Ich: YIPPIEYIPPIEYEAHYIPPIEYEAH!

Hahahaha. Ja, auch schon gelernt, die Kunden- und Optimalvariante. Mit der Kundenvariante sollte man immer so glücklich sein, dass man nicht zusammenbricht, sollte diese Variante genommen werden.

  

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Alle Fälle sind mir bestens bekannt. Bilder als Worddatei sind einfach immer der Klassiker. Wer hat das nur angefangen?!

  

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Michi: Wer hat das nur angefangen?!

Wer war zuerst da? Das ZIP oder die Word-Datei? ^^

  

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Da ich auf für Anzeigenblättchen und PR-Magazine schriebe, ist ein gewisses Halbwissen bei Grafiksachen ganz hilfreich, um dem eigentlichen Kunden durch Mitdenken zu entlasten.

“Nehmen Sie einfach mein Foto von meiner Website.” Das sagte die Landtagskandidatin, nachdem ich sie mit einem Artikel vorgestellt hatte und noch ein Bild brauchte. Nun, das hatte 72 ppi und war 4cm x 6cm groß. Das das im Druck nicht geht, nun ja.

“Die Datei hat aber nur 72 DPI.” Das sagte die kleine Firma, die für uns ein paar Werbebleistifte mit einem 5mm x5mm großen Logo bedrucken sollte. Dass ich – Biologe – denen dann erklären musste, dass das tif natürlich 300 DPI hat, wenn sie es in der Originalgröße (ich hatte es ja mit 300ppi auf 25 gespeichert) anschauen und nicht in irgendeiner Bildschirmansicht.

Auch Jura für Zwischendurch ist ganz hilfreich:
“Können Sie das Foto uns auch für unsere Website geben?” – “Ja, aber das würde ich ihnen in Rechnung stellen.” – “Und wenn Sie das Foto mit meiner Kamera machen?” (Das waren Heilpraktiker. Als ob die umsonst arbeiten, wenn sie mich in meiner Wohnung – und nicht in ihrer Praxis – behandeln würden).

“Könnte ich das Foto von meiner Frau bekommen, wie sie mit den Kolleginnen im Kostüm vor dem Denkmal stand?” – “Klar, wenn sie es nur in ihr Album kleben und nicht verkaufen, denn von Fotos verkaufen lebe ich.” – “Wieso, gilt da nicht das Recht am eigenen Bild?”

(Da wurde ein völlig anderes Fass aufgemacht, weil man mal was gehört hat. Die Frauen im Kostüm hatten gewusst, dass es ein Pressefoto wird, und hatten sich vor der Kamera aufgestellt. Das war konkludentes Einverständnis.)

  

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Ach ja, von wegen “seien sie mal kreativ” vs. “so habe ich mir das aber nciht vorgerstellt”. Das AG München hat entschieden, dass es keinen Anspruch auf einen “Wow-Effekt” gibt

“Der Künstler schaffe das Werk in eigener Verantwortung und in künstlerischer Freiheit. Solange der vereinbarte Zweck und die tragende Idee vorhanden seien, sei das Werk vertragsgemäß. Der Besteller trage das Risiko, ein Werk abnehmen zu müssen, das ihm nicht gefalle. Dies sei Ausfluss der Gestaltungsfreiheit des Künstlers. ”

http://www.justiz.bayern.de/gericht/ag/m/presse/archiv/2012/03461/index.php

  

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Haha, genau den Satz “seien sie mal kreativ” wurde letzte Woche von meinem Chef an die kreativen Leute geschickt.
Natürlich ist dabei das komplett falsche rausgekommen.

  

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was soll ich sagen, wir kriegen Fehlercodes von Bounce-Nachrichten als Fax geschickt. Guter Beitrag.

  

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Marc: “Können Sie das Foto uns auch für unsere Website geben?” – “Ja, aber das würde ich ihnen in Rechnung stellen.” – “Und wenn Sie das Foto mit meiner Kamera machen?”

Das Thema BIld ist natürlich ganz schwierig. Wir hatten auch Kunden, die sich für ihre Broschüre BIlder aus Google zusammengesucht haben. Die wussten jetzt auch nicht, warum das mit dem Druck nicht in Ordnung war. Ich finde es eh witzig, dass der Gedanke, dass alles “aus dem Internet umsonst ist” so noch in vielen Köpfen verankert ist.

Marc: “Der Künstler schaffe das Werk in eigener Verantwortung und in künstlerischer Freiheit. Solange der vereinbarte Zweck und die tragende Idee vorhanden seien, sei das Werk vertragsgemäß. Der Besteller trage das Risiko, ein Werk abnehmen zu müssen, das ihm nicht gefalle. Dies sei Ausfluss der Gestaltungsfreiheit des Künstlers.”

Nun ja – wenn das mit dem Nicht-Gefallen so passiert, muss er es nicht abnehmen, aber die Zeit eben bezahlen, wenn er das Projekt nicht mit der Agentur fertigstellen möchte. (Das meintest Du wohl mit Abnahme.)

Marcel: Natürlich ist dabei das komplett falsche rausgekommen.

That’s what I wanted to say.

quin: was soll ich sagen, wir kriegen Fehlercodes von Bounce-Nachrichten als Fax geschickt.

Uh. Fail. Manche Menschen hängen halt am Fax. ;-)

  

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Wir hatten auch Kunden, die sich für ihre Broschüre BIlder aus Google zusammengesucht haben.

Ein Grafikerfreund erzählte mir mal, dass sie deswegen auch die Entwürfe nur mit Platzhalterbildern machen, die auch sicher verfügbar sind.

Weil die Gefahr besteht, dass der Kunde dann genau dieses eine leider einzigartige Bild auch in der Broschüre haben will.

Auch lohnt es sich vorher zu checken, woher ein Foto tatsächlich kommt, das es bei einer der vielen Online-Agenturen gibt.

Hier machte die Stadt mal mit einem Mutter-Kind-Foto Werbung für eine Umgehungsstraße. Die Bildunterschrift oder der Text dazu suggerierten, dass das eine Bürgerin mit dem Wunsch nach Ruhe ist. Tatsächlich war das Bild nur ein Symbolphoto von fotalia und in St. Petersburg aufgenommen worden. Ein gefundenes Fressen für die Bürgerinitiative.

  

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Hachja, die Bilder in den Word-Dateien. Kommt auf meiner Beliebheitsskala gleich nach Mails in der Betreffzeile.

Aber ich als Softwareentwickler gehe bei Dateien nach der Dateigröße. Und mein Elsa 56k-Modem liegt noch im Schrank. Man weiß ja nie…

  

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Martin: Kommt auf meiner Beliebheitsskala gleich nach Mails in der Betreffzeile.

Oar, das habe ich auch nie verstanden. :liaf

  

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Marc: Ein Grafikerfreund erzählte mir mal, dass sie deswegen auch die Entwürfe nur mit Platzhalterbildern machen, die auch sicher verfügbar sind.
Weil die Gefahr besteht, dass der Kunde dann genau dieses eine leider einzigartige Bild auch in der Broschüre haben will.

Das ist aber normal – ich kenne echt keinen, der Platzhaterbildern aus Google nimmt. Das machst Du vielleicht ein Mal und dann nie wieder, weil Du Dir in jeglicher Hinsicht Zeit und emotionalen Kummer sparst. ;)

  

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Schon ne Weile her, aber ich hatte mal ne Kundin die hatte die .html Dateien auf ihrem Computer mit Word verknüpft und war dann ganz empört das in ihrem “Browser” unser Website Entwürfe also echt Scheisse aussehen würden. Was wir uns da eigentlich erlauben würden sei ja voll unprofessionel.

Das traurige daran: Microsoft verwendet im neusten Outlook die Word Engine zum darstellen von HTML Mails…

  

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Was für ein herrlicher Post! Ich musste bei jedem zweiten Punkt lachen oder nicken! (: Bei Bildern in Worddateien frage ich mich auch immer, wie man auf so eine Idee kommt…

  

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