Nom.

Diesen Samstag fand in Essen eine Hochzeit statt, von einem Freund meines Freundes, den ich noch nicht kannte. Im Prinzip habe ich für Hochzeiten auch ein Kleid, allerdings wollte ich mal etwas mehr Sommerliches als nur das kleine Schwarze, damit ich nicht mehr wie eine wandelnde Leiche aussehe (grundsätzlicher Kommentar nach Urlauben: “Wo warst ‘n du? WAS IM URLAUB? Sieht man Dir gar nicht an.”).

Also ging ich donnerstags alleine zu Peek & Cloppenburg, weil der Freund flach lag, die beste Freundin Tennis hatte und ich sowieso lieber alleine shoppen wollte, bevor ich jemand drittes frage und mitschleppe (zu viel Organisationsaufwand). Doof sind bei so was zwei Dinge: erstens, man kann nur mit großer Mühe die Reißverschlüsse alleine zumachen, wenn überhaupt; zweitens, muss man Kleider immer mehrfach mitnehmen, weil man niemanden hat, der einem kurz mal die Kleider in einer anderen Größe holt (nein, ich rede nicht gerne mit Verkäuferinnen).
Ich checkte also ab, welche Art Kleid mir am besten passt und probierte mich so durch. Mein Körper ist etwas seltsam proportioniert, daher war es nicht so einfach, was zu finden. Und als ich mal wieder mit dem Arsch nicht durchs Kleid durch passte, zog ich es mir über den Kopf. Yeah, like a rebel. Allerdings bekam ich den Reißverschluss nicht mehr zu.
Da stand ich also, bekam das Kleid weder über den Arsch, noch über die Oberweite, und glotzte mich blöd im Spiegel an. Im Endeffekt sprach ich an dem Abend also doch noch mit einer Verkäuferin, die mich mit viel Kraft aus dem Kleid pellte. Ich kaufte mir kein Kleid mehr.

Der Plan für das Wochenende war eigentlich, dass wir am Freitagabend nach Bad Homburg fuhren, dort ein Freund des Freundes treffen würden, um noch ein bisschen um die Häuser ziehen und am nächsten Tag gemeinsam nach Essen zur Hochzeit zu fahren. Pläne funktionieren in meinem Leben nicht – der Freund war an dem Abend noch zu krank, also fuhren wir spontan doch erst am nächsten Tag.
Gegen zehn ging es los, und als wir ungefähr eine Stunde gen Frankfurt gefahren sind, fiel mir auf, dass ich meine Schuhe vergessen habe. Ich habe wirklich gemütliche hohe Schuhe, die mir nie Blasen beschert hatten – tolle Teile. Ich weinte innerlich, und als wir in Bad Homburg den Freund des Freundes trafen, er weiterfuhr, wir in Essen ankamen, fuhr er uns zum erstbesten Schuhladen, in dem ich mir Schuhe für hundertzehn Euro besorgte. (Ich hab mich ja erst kürzlich gefragt, warum ich nach der Hälfte des Monats noch so viel Geld auf dem Konto habe, das Problem hatte sich hiermit erleidgt.) Dadurch verpassten wir den Großteil der kirchlichen Trauung, aber wie die beiden so schön sagten: “Wir waren schon auf genug Hochzeiten, ist doch eh immer das Gleiche.” Als die Blumenkinder die Blumen streuten, weinte ich vor Glückseligkeit und über die Tugend der Geduld, die die beiden in ihren Persönlichkeiten verankert hatten.

Am Ort der Feierlichkeit angekommen merkte ich schon, dass ich mit diesen Schuhe nicht glücklich werden würde. Die Schuhe waren einfach zu schmal, oder meine Füße zu fett – wie man’s nimmt.
Also konzentrierte ich mich auf die wesentlichen Dinge: das Ballonspiel. Ihr wisst schon, man kriegt ‘ne Karte, schreibt da drauf, was man macht, wenn der Ballon gefunden wird und wenn das Brautpaar die Karte zugeschickt bekommt, wird der Wunsch erfüllt. Da ich dort noch keinen kannte, geschweige denn das Brautpaar, schrieb ich einfach drauf, dass der Freund kocht. (Mein Ballon blieb, mit vielen anderen, im Baum hängen, das Wetter war nämlich scheiße.) Der Schönheitschirurg, den ich dort kennenlernte, überlegte sich, ob er der Braut nach dem zweiten Kind neue Brüste schenken soll, fand es aber nicht angemessen. Ich würde mich freuen. Eine Brust-OP kostet bei ihm übrigens so sechstausend Euro, und man kann auch machen, dass das nicht so operiert aussieht. Hab mich eine Weile über Transplantate unterhalten. Dann wollte ich noch einen Ballon haben, um das Helium einzuatmen, der Freund hat es mir aber verboten.

Irgendwann stellte ich mein Bier vorm Damenklo ab und fand dort Flip Flops. Eine sehr gute Investition. (Aufm Männerklo gab’s Kondome. Keine so gute Investition, auf der Hochzeit gab es nur zwei Single-Frauen.) Jedenfalls klaute ich mir nach dem Abendessen ein Paar Flip Flops und unterhielt mich mit Stefan und Stefan, einem Paar. Ich haute mich noch ewig über den gleichen Namen auf, fand nämlich, dass “Stefan & Stefan” ein guter Schlagermusik-Bandname wäre. Ich erzählte dem einen Stefan übrigens von dem Dilemma mit meinem Kleid und den Schuhen, und er konnte es super verstehen. Wenig später fand ich mich mit meinen Flip Flops auf dem Dancefloor zu Whigfields “Saturday Night” wieder.

Der Freund meinte am nächsten Tag, dass der Schuhkauf auch eher fürn Arsch war, aber hey, die Hochzeit war sehr lustig, unter anderem auch, weil es diese nervigen und langweiligen Spiele und PowerPoint-Präsentationen nicht gab, oder ich sie verpasst habe, weil ich mit Pharma-Dingsbums-Menschen Obstler (es gab nicht so viel Schnaps-Auswahl, also fragt nicht!) getrunken habe (und die letzten zwei Stunden dort komplett auf Wasser umgestiegen bin, das hat den Schmerz am nächsten Morgen schon ziemlich gelindert). Nur so weit weg müssten Hochzeiten nicht sein – wir waren nach der Rückfahrt von Essen nach Stuttgart, etwa viereinhalb Stunden und nach dem wenigen Stunden Schlaf, wirklich fertig.

Daher gab’s zum Fußball nur ‘n Süppchen und Eistee.

flattr this!


Jenny: Im Endeffekt sprach ich an dem Abend also doch noch mit einer Verkäuferin, die mich mit viel Kraft aus dem Kleid pellte. Ich kaufte mir kein Kleid mehr.

:rofl:

Jenny: Irgendwann stellte ich mein Bier vorm Damenklo ab und fand dort Flip Flops. Eine sehr gute Investition. (Aufm Männerklo gab’s Kondome. [...] Jedenfalls klaute ich mir nach dem Abendessen ein Paar Flip Flops

Standen die da jetzt einfach rum oder gab’s die – wie die Kondome – im Automaten? Investition klingt so nach Letzterem.

P.S.: Auch Paare brauchen manchmal Kondome – nicht zuletzt um Helium zu transportieren. ;-)

  

zitieren

  


“diese nervigen und langweiligen Spiele”
Ja, das und diverse Aufführungen von Freunden, Verwandten und Kollegen müssen gut organisiert und vor allem kontingentiert sein, sonst guckt am Ende keiner mehr zu.

  

zitieren

  


Henning: Standen die da jetzt einfach rum oder gab’s die – wie die Kondome – im Automaten? Investition klingt so nach Letzterem.

Gab’s ganz umsonst. Wie die Flip Flops. Nicht aus dem Automaten. Sonst wäre es ja unspektakulär. ;)

Henning: P.S.: Auch Paare brauchen manchmal Kondome – nicht zuletzt um Helium zu transportieren. ;-)

Is’ klar. ;)

Marc: Ja, das und diverse Aufführungen von Freunden, Verwandten und Kollegen müssen gut organisiert und vor allem kontingentiert sein, sonst guckt am Ende keiner mehr zu.

Oh ja. Das stimmt. Eigentlich sollte das einer mit kritischem Auge organisieren.

  

zitieren

  


War letztes Jahr erst das erste Mal auf einer Hochzeit. Die nervigen Spiele gabs da zum Glück auch nicht ;-)

  

zitieren

  


FlipFlops auf Hochzeiten scheinen Trend zu werden, hatten vor kurzem ne Hochzeit die auch FlipFlops auf die Damentoilette legten, damit die Mädels ihre Füße irgendwann befreien konnten :D

  

zitieren

  


Michi: Die nervigen Spiele gabs da zum Glück auch nicht ;-)

:daumen

Chrissy: FlipFlops auf Hochzeiten scheinen Trend zu werden, hatten vor kurzem ne Hochzeit die auch FlipFlops auf die Damentoilette legten, damit die Mädels ihre Füße irgendwann befreien konnten :D

Das generell Zeug auf Toiletten bereitgestellt wird, kenne ich auch erst von den letzten beiden Hochzeiten. Finde die Idee aber sogar ganz brauchbar und nett. ;)

  

zitieren

  



Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


Bloggen seit 2004 | Theme „Wohnzimmer“ by www.quartier-vier.de