Musik

Neulich waren wir bowlen. Bowlen rockt, und was beim Bowlen wirklich rockt, ist, bei guter Musik zu spielen. (Insgesamt macht alles bei guter Musik mehr Spaß.) “Gute Musik” ist bei mir in dem Fall der Öffentlicheit die Musik, die jeder hören kann, ohne an dem Abend einen akustischen Zusammebruch zu erleiden. Entweder wechselt der DJ die Genres gut durch, dass jeder etwas davon hat, oder er spielt – ich nenne es mal so – “neutrale Radiomusik”.
Unser DJ spielte Musik aus den heutigen Charts. Ich nenne es liebevoll Elektro-R’n'B-Mist, den man sich mal eine viertel Stunde anhören kann, aber keinenfalls länger. Und nachdem wir ganz subtil anmerkten, dass das so gar nicht geht, kam Bierzelt-Musik. So viel dazu.

Ja, okay, jeder Mensch, der auch Musikgeschmack hat, hat seine musikalischen Abgründe, ohne Ausnahme – manche versuchen das zu verstecken, aber selbst wenn diese in dem Moment den Scrobbler deaktivieren, weiß ich Bescheid.
Ich weiß auch, dass man Musik nicht objektiv beurteilen kann, dahr mache ich das für mich ganz heimlich, aber tiefgründig. In meiner Welt gibt es nämlich nicht nur “schlechte Musik” – es gibt schlechte Musik und schlechte Musik, verstehste? Vielleicht bin ich ja der einzige Mensch auf der Welt, der sich darüber Gedanken macht, aber es gibt zum Beispiel schlechte Musik, die okay ist. Das ist Musik unserer Kindheit und Jugend, Musik, die einen an Bruchstücke aus unserer Vergangenheit erinnert. Wir hören sie nicht unbedingt der Musik wegen, sondern, weil wir damit etwas verbinden. Man muss sich eingestehen, dass diese Musik mies ist, aber das ist okay, wenn man sie nicht jedem aufzwingt (der nicht mindestens in der der gleichen Zeitspanne diese Musik gehört hat).
In jungem Teenageralter hören wir in der Regel das, was die Charts uns vorgeben, und das ist auch okay und logisch, weil: es ist schließlich die offensichtlichste Quelle. Ich kann mir beispielsweise immer noch Musik aus den Neunzigern anhören, und finde es geil, obwohl ich weiß, dass diese Glanzstücke meiner Kind- und Jugendzeit musikalischer Bullshit sind. Ich kenne auch ziemlich jeden bekannten Oldie oder Schlager aus den sechziger, siebziger Jahren und achtziger Jahren, einfach, weil ich mit der Musik meiner Eltern aufwuchs, und das wiederum die Musik ihrer Kindheit war. Ach ja, ich habe auch ein unglaubliches Faible für Märsche.

Und es gibt schlechte Musik, die man nicht gut reden kann. Viele sagen ja, dass die Musik immer schlechter wird, je älter man wird – meine These ist, dass der Großteil der Musik aus den Charts immer Müll ist, und wir uns mit dem Alter musikalisch weiterentwickeln*. Diese These finde ich äußerst plausibel. Ich behaupte deshalb, dass jeder Mensch, der irgendwann mal Musikgeschmack entwickelt, sich früher oder später vom Großteil der Chartmusik abwendet, weil – sind wir mal ehrlich – diese Musik meistens einfach scheiße. Ich trenne auch hier wieder zwischen “gut und schlecht” oder eher “hörbar und eben so gar nicht hörbar”: für mich gibt es zum Beispiel Musik aus den Charts, die okay ist, neutral eben. Musik, die nicht (unbedingt) durch Individualität besticht, nix Neues ist und die man sich daher auch anhören kann, ohne großartig Krämpfe zu kriegen (Silbermond ausgeschlossen).
Es gibt aber auch immer eine bestimmte Musikrichtung, die in den Charts abseits der “neutralen” Musik dominiert, momentan dieser schon oben genannte R’nB/Elektro-Pop-Mix. Das kann man sich beim besten Willen nicht anhören, außer, man ist geistesgestört oder pubertierender Teenager. Ehrlich, ich bekomme da nach wenigen Minuten einen Kollaps. In meiner letzten Agentur haben wir uns darum gestritten, welchen Radiosender wir hören sollten, und nachdem wir Das Ding, SWR3 oder Big FM durch hatten dachte ich mir, ich bringe mich hier und jetzt an meinem Arbeitsplatz um, indem ich mir die Schere direkt in meine blutenden Ohren ramme.

Lange Rede, kurzer Sinn – an Plätzen, an denen sich die Musikgeschmäcker der Menschen um ein Vielfaches überschneiden – oder eben gar nicht, will ich nicht mit Musik zugeballert werden, die nur einer Zielgruppe gerecht wird (außer es ist meine, hähä). Und: Man muss seinem missratenen Musikgeschmack nicht jedem öffentlich präsentieren. Danke für die Aufmerksamkeit.

* Diese These gilt für meine Zeit bis heute, und wurde mehrfach mit Befragung diverser musikhörenden Menschen überprüft und bestätigt. Ob die Musik vor meiner Zeit tatsächlich auch in gewisser Weise ab und an mal schlecht war, kann ich nicht wirklich beurteilen.

flattr this!


Jetzt würde mich interessieren was du so gerne hörst. Aber wenn du schon vom Scrobbeln redest, muss irgendwo ein last.fm-Profil von dir existieren. Gleich mal stalken! :D

  

zitieren

  


Ich sehe es eigentlich genau so. Über Musikgeschmack kann man nicht streiten. Aber über Geschmack und kein Geschmack schon^^
Ich erkläre mir das Phänomen der grauenvollen Single-Charts bisher so (lasse mich da aber gerne eines besseren belehren):
Single-Charts werden logischerweise durch die meistverkauften Singles bestimmt. Wer kauft aber denn bitte Singles? Das sind in der Regel doch nur Teenies oder? Wer der Pubertät entwachsen ist, kauft doch nur noch Alben oder lässt es ganz (bei mir ist es zumindest so). Ich denke daher unterscheiden sich die Single- und Albumcharts auch oftmals radikal voneinander.

  

zitieren

  


Das meiste kann ich nachvollziehen und diese Trennung zwischen subjektiv schlechter Musik und ebendieser mit einer tieferen Verbindung kennt wohl jeder – auch wenn wenige sie so bewusst reflektieren.

Aber…

Jenny: Es gibt aber auch immer eine bestimmte Musikrichtung, die in den Charts abseits der “neutralen” Musik dominiert, momentan dieser schon oben genannte R’nB/Elektro-Pop-Mix. Das kann man sich beim besten Willen nicht anhören, außer, man ist geistesgestört oder pubertierender Teenager.

Schade, hier tust du so als wäre deine Meinung die absolute Wahrheit, während du im restlichen Text immer recht stark differenzierst und subjektiv unterschiedliche Ansichten gelten lässt. Ich fand alle drei Links in dem Absatz ganz nett bis neutral. Bin ich jetzt geistesgestört oder ein pubertierender Teenager?

Jenny: Ehrlich, ich bekomme da nach wenigen Minuten einen Kollaps.

DU! Nicht alle!

  

zitieren

  


Yasmin: Gleich mal stalken! :D

Hehe. Yeah!

Benne: Single-Charts werden logischerweise durch die meistverkauften Singles bestimmt. Wer kauft aber denn bitte Singles? Das sind in der Regel doch nur Teenies oder?

Das ist das, was ich meine – die Zielgruppe sind meistens Teenager. Ich muss sagen, dass ich mir in der Regel von einem Künstler auch gleich das komplette Album hole, wenn mir aber ein Song gut gefällt, und der Rest nicht, ich mir durchaus auch mal nur die Single hole. Wenn ich mir ein Album kaufe sind das aber meist die Künstler, die ich sowieso höre und ich davon ausgehen kann, dass mir die Musik gefällt.

Henning: Schade, hier tust du so als wäre deine Meinung die absolute Wahrheit, während du im restlichen Text immer recht stark differenzierst und subjektiv unterschiedliche Ansichten gelten lässt.

Das ist ja auch ein Blogeintrag, der meine Meinung zu Musik widerspiegelt. Daher der Absatz: “Ich weiß auch, dass man Musik nicht objektiv beurteilen kann, dahr mache ich das für mich ganz heimlich, aber tiefgründig.” Ich weiß durchaus, dass meine Meinung nicht für alle die absolute Wahrheit ist. Das wäre wohl sehr vermessen.

Henning: Ich fand alle drei Links in dem Absatz ganz nett bis neutral. Bin ich jetzt geistesgestört oder ein pubertierender Teenager?

Jemand mit schlechtem Musikgeschmack, meiner Meinung nach? :)

Henning: DU! Nicht alle!

Ja. Schrieb ich doch so.

  

zitieren

  



Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


Bloggen seit 2004 | Theme „Wohnzimmer“ by www.quartier-vier.de