Essensvorbereitung

Es gibt überwiegend zwei Typen von Essern (nach meiner ausgiebigen Studie): erstens, der Genießer. Der Genießer isst bewusst, das heißt, es bereitet sich auf seine Mahlzeit vor. Er kocht, lässt kochen, und isst: langsam, genüsslich, ohne jegliche Hektik, bevorzugt mit jemanden, Freunde, Familie, Partner. Man isst am Tisch, das Essen ist hier sozusagen das zentrale Ereignis, bei dem man zusammensitzt und den Tag Revue passieren lässt.
Dann gibt es noch den, der das Essen eher als Nahrungsaufnahme sieht. Das heißt nicht, dass er nicht gerne isst – das tut er sogar außerordentlich gerne. Er isst viel, und weiß auch ganz genau, was er essen will, ist dabei aber nicht so darauf bedacht, mit Genuss zu essen, sondern eher schnell. Diese Art Esser isst auch gerne mal “nebenher”, also vor dem Fernseher oder Rechner, hauptsache es gibt was (überspitzt formuliert).

Ich war schon immer ein Genießer – und für mich war das Essen schon immer ein zentrales Ereignis: die Familie kommt zusammen, isst, erzählt. Das Essen wurde entweder von meiner Mutter oder meinem Vater zubereitet und von mir heiß geliebt. Noch heute finde ich es furchtbar und egoistisch, wenn das Kochen nicht gewürdigt wird, in dem man sich darüber beschwert, wenn mal etwas nicht so gelungen ist oder man zu spät oder gar überhaupt nicht zu Tisch kommt.

Nomnomnom, Frühstück.

Das mit dem Essen hat sich bis heute so gehalten – zwar koche ich meistens nicht, weil der Freund das liebend gerne tut, aber wir essen (abgesehen von Ausnahmefällen) jeden Abend am Tisch, um dann über den Tag oder sonstiges zu sprechen. Für mich ist es immer wichtig, mich auch fürs Kochen zu bedanken, weil es wirklich aufwändig ist (zumindest schnippelt köchelt der Freund immer etwa eine Stunde vor sich hin) und ich es wirklich schätze, wenn sich jemand die Mühe macht, etwas zuzubereiten.

Essenstechnisch wurde bei uns zu Hause sehr vielfältig und frisch gekocht, also nie Soße aus der Packung oder so ein Kram. (Darüber war ich als Kind schon immer glücklich, nicht bei jedem gab es die Spätzle immer frisch, jaha!) Nur Gemüse gab es meistens tiefgekühlt – aber wenn man sechs Personen bekochen muss, von der der Großteil nicht mal Gemüse mag (Kinder eben), ist es wohl das einfachste. Kein Wunder, dass ich bis vor drei, vier Jahren nie wirklich Gemüse aß – der Geschmack vom Tiefkühlgemüse blieb mir irgendwie immer im Gedächtnis – vor allem diese Mini-Karöttchen und Erbsen. Urghs.

Trotzdem bin ich stolz darauf, dass ich nach meinem Auszug nie bewusst auf Fertiggerichte zurückgegriffen habe – diese Phase des Testens hatte ich bis dato schon hinter mir, und irgendwann kommt man eben darauf, dass es geschmacklich nicht so der Burner ist. Gekocht habe ich für mich selbst eigentlich auch selten, war schon sehr oft zum Essen aus, und wenn ich kochte, dann sehr einfach.
Dennoch kam ich erst sehr spät darauf, es nochmal zu versuchen und mich mit Gemüse und Konsorten anzufreunden und auch bewusst zu kochen. Heißt, mit Liebe und Lust etwas zuzubereiten um dann ohne Hektik zu essen – etwas selbst “erschaffen”, weg von fertigen Sachen, des Geschmacks und der Prozedur wegen. (Natürlich freue ich mich auch nebenher über den Gesundheitsaspekt.) Wenn ich bei mir zu Hause bin und nur für mich koche, ist es schon so ein kleines Ritual geworden, wirklich “nur” für mich zu kochen, worauf ich mich inzwischen immer freue und das auch genieße. Ein kleines Stück Frieden sozusagen.

Abendessen, nomnomnom.

Menschen, die gerne kochen, sagen, das Kochen und anschließende Essen sei für sie Entspannung nach einem anstrengenden Arbeitstag. Inzwischen kann ich das wirklich gut nachvollziehen, und bin auch froh, das anderen und später auch mal meinen Kindern mitgeben zu können: ausgewogenes und vielfältiges Essen ist nicht nur Nahrungsaufnahme, es bedeutet Entspannung, Zusammenkommen, Freude und Gesundheit. Es ist ein Ritual und ein Lebensgefühl.

<Nostalgie-Part>
Ach ja. Viele fragten mich übrigens via Twitter, was denn aus meiner Liebe zu Pommes geworden ist – sie besteht noch. Aber nicht so sehr wie früher. Wenn man in meinem alten Blog nach “Pommes” sucht, gibt es dort 74 Beiträge, in denen das Wort “Pommes” auftaucht. Wenn ich das mal ausrechnen darf, ausgehend von der Gesamtanzahl an Beiträgen … ging es in 7,6 Prozent der Fälle immer um Pommes.

Als krönenden Abschluss dieses Beitrags habe ich deshalb die besten Bilder von mir und Pommes herausgesucht. BFF.


Ich, als ich bei einer Privaten-Pommes-Party das Blech aus dem Backofen hole, um neue Pommes zu machen.


Ich, als ich bei einer Privaten-Pommes-Party was zu trinken mache.


Ich, als ich bei einer Privaten-Pommes-Party Pommes vom Blech hole.

</Nostalgie-Part>

flattr this!


Schöner Beitrag! Ich bin auch der Genießertyp, kenne aber auch leider genug der anderen Sorte. Die kann man mit einer Tiefkühlpizza genauso glücklich machen wie mit einem selbstgemachten 3-Gänge-Menü und sie wissen den Wert von Letzterem (auch in sozialer und gesundheitlicher Hinsicht) einfach nicht zu schätzen. Schade.

  

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Widerspricht das mit den Pommes nicht irgendwie dem Genießer-Status oder steckt da einfach deine Weiterentwicklung drin? Ich bin ja wohl eher der Nahrungsaufnehmer, aber ganz, ganz langsam entwickle ich mich glaub zum Genießer. Mal sehen, ob ich noch lebe, wenn ich da ankomme. ;-)

  

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for(x=1; x>1000;x–)
{
echo ‘Nostalgie!’
}

der nostalgie endless-loop! :tux

  

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Mmh, bin bissl was von beiden Typen… ach… ich verdien damit auch noch mein Geld -.-

  

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Windmeer: Die kann man mit einer Tiefkühlpizza genauso glücklich machen wie mit einem selbstgemachten 3-Gänge-Menü und sie wissen den Wert von Letzterem (auch in sozialer und gesundheitlicher Hinsicht) einfach nicht zu schätzen. Schade.

Das stimmt. Wobei man für eben solche auch kaum gern ein zweites Mal kocht, oder? :D

Henning: oder steckt da einfach deine Weiterentwicklung drin?

Clever kombiniert, Watson!

Henning: Mal sehen, ob ich noch lebe, wenn ich da ankomme. ;-)

Unkraut vergeht nicht. ^^

tux: der nostalgie endless-loop! :tux

:love: :tux

Chrissy: ich verdien damit auch noch mein Geld -.-

Da ist das auch wieder was anderes. ^^

  

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Chrissy: Mmh, bin bissl was von beiden Typen… ach… ich verdien damit auch noch mein Geld   

Aber müsstest du dann nicht Genießerin sein? Oder isst du als Köchin tatsächlich auch Fertiggerichte?

  

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Henning:
Aber müsstest du dann nicht Genießerin sein? Oder isst du als Köchin tatsächlich auch Fertiggerichte?  

Fertigpizza ;) Wobei hauptsächlich kauf ich Brot und Aufschnitt,… Frisch gekocht wird wenn Besuch kommt, anders lohnt sich das nicht… Gegessen wird hauptsächlich auf Arbeit ;)

  

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Chrissy: Gegessen wird hauptsächlich auf Arbeit   

Das klingt ideal! :freu

  

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Hach, irgendwann möchte ich auch mal mit dir Pommesparty feiern!

Dass ich eher Genießer bin, muss ich nicht sagen, oder? Ich hasse Leute, die immer nebenher Essen, sich den obligatorischen Burger im Laufen reinschieben und sich überhaupt nichts aus Ernährung machen nach dem Motto hauptsache schnell, ohne Aufwand und ich bin satt, dann ist es auch egal ob es TK ist oder wie viele 44301 Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe da drin sind. Puh.

Aber ich bin davon überzeugt, dass man jeden dieser Foodmonster mit ein wenig Zeit zum kleinen Genießer machen kann, wenn die erstmal merken, wie viel besser doch frisches Essen schmeckt, länger satt macht und dass es auch nichtmal sooo lang dauert.

So, Roman Ende. Das Foto vom Frühstückstisch find ich auch ganz fein. Liebe diese Perspektive sowieso.

  

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Anne: Hach, irgendwann möchte ich auch mal mit dir Pommesparty feiern!

Berechtigt. :kls

Anne: Aber ich bin davon überzeugt, dass man jeden dieser Foodmonster mit ein wenig Zeit zum kleinen Genießer machen kann, wenn die erstmal merken, wie viel besser doch frisches Essen schmeckt, länger satt macht und dass es auch nichtmal sooo lang dauert.

Ich denke, das ist den meisten schon bewusst, das Problem liegt eher in der Tatsache, dass sie keine Lust auf große Zubereitung haben. Und ohne selbst etwas zu tun funktioniert es bekanntermaßen auch nicht.

  

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Ich bereite aufwaendig zu, esse aber meist am Rechner, sofern keine Gesellschaft da ist. Bin ich jetzt beides?

Richtig abartig: Noodle-Box in der OEPNV!

  

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quin: Ich bereite aufwaendig zu, esse aber meist am Rechner, sofern keine Gesellschaft da ist. Bin ich jetzt beides?

Keine Sorge, Du bist immer noch ein Genießer. :D

  

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Hm… ich weiß es nicht. Genießer wuerde ich mich einfach nicht nennen… aber das andere, Nahrungsaufnahme, auch nicht. Aber das ist es momentan eher…

Und wie definiert man Fertiggericht? Pommes zaehlen ja anscheinend nicht dazu ;) … Fertigpizza kaufe ich ab und an, weil unter der Woche einfach keine Zeit zum Kochen ist (oder man bestellt bzw. hat eh schon fast eine Standleitung)
… und Kochen, nun ja. Manchmal machts Spaß. Momentan nicht.

(Cool, das Schreibefenster oeffnet sich nach links)

  

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K.: Und wie definiert man Fertiggericht? Pommes zaehlen ja anscheinend nicht dazu ;)

Pommes zählen da schon dazu, zumindest, wenn sie aus der Packung sind. ;) Fertiggerichte sind alle Gerichte, die man aus Tüten macht, die man auftaut (Fertig-Tiefkühlgerichte), aus Tüten (Soßen und so Kram) und so weiter. Tiefkühlgemüse würde ich jetzt nicht unbedingt dazu zählen, definiert aber wohl jeder anders.

K.: (Cool, das Schreibefenster oeffnet sich nach links)

Geheimes Feature.

  

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J: Fertiggerichte sind alle Gerichte, die man aus Tüten macht, die man auftaut (Fertig-Tiefkühlgerichte), aus Tüten (Soßen und so Kram) und so weiter. Tiefkühlgemüse würde ich jetzt nicht unbedingt dazu zählen, definiert aber wohl jeder anders.

Da kennt sich jemand mit Fertiggerichten aber gut aus. ;-)

  

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Henning: Da kennt sich jemand mit Fertiggerichten aber gut aus. ;-)

Ja. Kann ja schlecht darüber etwas schreiben, ohne es getestet zu haben.

  

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