In letzter Zeit ist mir aufgefallen, wie viel und oft sich Leute beschweren. Das ist ziemlich natürlich, macht jeder schließlich mal. Was mich aber in letzter Zeit imer mehr stört, ist, dass sich manche Leute permanent über das Gleiche beschweren und das über einen sehr langen Zeitraum.
Man muss kein Superhirn sein, um zu merken, wo der Fehler liegt. Die Leute kriegen den Mund oftmals einfach nicht auf. Und ich spreche jetzt nicht von einem megaschwerwiegendem Problem, sondern das, was uns über den ganzen Tag hindurch begleitet. Alltagskram. Es gibt klar Situationen, da geht es einfach nicht. Diese Sachverhalte nehme ich im folgenden Text einfach mal aus. Man kann nicht alles pauschalisieren. Aber es gibt Situationen, in denen es durchaus funktioniert. Ich würde mal behaupten, dass es das in den meisten Situationen durchaus tut.

Beispiel. Wie oft bekomme ich mit, dass sich jemand über seine Arbeit beschwert. So viel zu tun. Und das permanent. Findet man scheiße. Ist klar: Ich kann mir auch besseres vorstellen, als meine freie Zeit dauernd in der Arbeit zu verbringen, weil es jemand anderes nicht gebacken kriegt, etwas gegen die offensichtliche Fehlplanung zu tun. Aber ich meine – wieso soll er auch. Es beschwert sich ja keiner.
Wie oft bekomme ich mit, dass jemandem am anderen etwas stört – es spielt überhaupt keine Rolle, um was es geht oder wer es ist. Fakt ist, dass es viele einfach nicht hinbekomme, denjenigen darauf hinzuweisen (und auch hier gilt: Kritik entsprechend zu verpacken), und sich dann eben permanent darüber aufregen, wie der andere ist. Das Problem wird sich in der Regel nicht in Luft auflösen.
Logische Konsequenz: man ist tierisch frustriert und genervt. Je nach Situation läuft es auf schlimmere Folgen hin. Oder man manövriert sich immer tiefer eine Situation, in die man gar nicht gedrängt werden möchte.

Was passiert bestenfalls, wenn man so etwas anspricht? Man findet einen Kompromiss. Oder versteht erst mal durch nachfragen, warum jemand eigentlich so ist, wie er ist. Oder man erfährt, dass man selbst der Ursprung eines Problems ist, wir sind ja durchaus nicht fehlerfrei und bringen andere auch mal an den Rande des Wahnsinns. Teufelskreis nennt man das.
Was passiert aber, wenn man etwas anspricht, und es ändert sich nicht? Nehmen wir an, derjenige, der zu viel arbeitet, arbeitet danach immer noch ständig mehr als sein Wochenpensum vorsieht. Oder denjenigen, den wir auf die Fehler hingewiesen haben, ändert sich nicht. Rationale Konsequenz: entweder man kann damit leben, oder geht seiner Wege. Sucht sich einen neuen Job. Oder geht auf Distanz. Oder im schlimmsten Fall: lässt denjenigen hinter sich, der einen mehr negative als positive Gefühle beschert.
Natürlich ist diese Umsetzung der Regel nicht so einfach, wie es hier geschrieben steht. Ganz im Gegenteil, vor allem, wenn es um emotionale Themen geht. Ich denke, diese Lektion musste jeder mal schmerzlich erfahren. Aber im Prinzip bleibt es uns völlig selbst überlassen, wie gut es uns geht.

Natürlich schließe ich mich selbst nicht aus. Ich bin ein Mensch, der gerne reflektiert. Wenn ich etwas nicht gut finde, überlege ich mir im Gegenzug, ob ich das eigentlich auch mache. Und ich war erschreckt darüber, wie oft es passiert – klarer Fall von sich beschweren, aber es selber nicht besser machen.
Es gab oft Situationen, die ich über mich ergehen habe lassen, die mich wirklich tief verletzten. Wie oft wollte ich etwas sagen, und ich tat es nicht, weil es jemand anderem nicht passte. Und warum habe ich es getan? Weil ich in erster Linie andere nicht verletzen wollte. Klares Fail. Man muss sich gefühlstechnisch nicht immer hinten anstellen.

Inzwischen habe ich langsam aber sicher gelernt, oder sagen wir es so – ich bin dabei, eine Schmerzgrenze um mich herum zu ziehen. Das heißt nicht, dass ich mich abschotten will, von allem, was mir nicht passt oder weil ich mich nicht ändern will, sondern, dass ich nicht mehr alles tolerieren muss, was ich nicht möchte. Und auch bei mir gilt: Kritik anständig zu verpacken. Und, noch viel wichtiger: auch selbst kritikfähig zu sein.

Es ist zwar bequemer, den Mund nicht aufzumachen. Aber wenn man es tut, lebt man damit auf Dauer besser.

flattr this!


In diesem Sinne quatschte ich heute sogar mit meinem permanent soundempfindlichen Nachbarn.

  

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Oh ha,… Ich beschwere mich auch derzeit oft über eine Situation und werde auch versuchen diese im April zu lösen bzw. die Argumente der Gegenseite zu verstehen und zu verinnerlichen.

Hast du ihn Ohrstöpsel geschenkt?

  

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Sehr, sehr wahr.

  

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Gute Einstellung .)

  

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Wenn man von etwas genervt is, und es sich nicht von der Seele spricht, dann wird man gegenüber der Person sehr empfindlich. Und jede Bewegung und jeder Satz hat etwas kritisches und nerviges, obwohl es objektiv vielleicht gar nicht so ist.

  

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sekundentakt: Wenn man von etwas genervt is, und es sich nicht von der Seele spricht, dann wird man gegenüber der Person sehr empfindlich. Und jede Bewegung und jeder Satz hat etwas kritisches und nerviges, obwohl es objektiv vielleicht gar nicht so ist.

Absolute Zustimmung.

  

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