Meine Familie war organisationstechnisch immer schon hinterher. Wir sind die letzten in der Kirche, wenn jemand heiratet, irgendwer vergisst immer konsequent seinen Schlüssel und sperrt sich aus, und als wir nach Italien fuhren, musste uns erst ein LKW anhupfen um uns mitzuteilen, dass einer der Reifen unserers VW-Busses gerade neben uns herrollt.

Das mit der Organisation hat sich irgendwie an alle weitervererbt. Beim einen mehr, beim anderen weniger.

Heute wollen meine Geschwister und ich nach München fahren, da unsere Mutter morgen Geburtstag hat. Meine Mutter hat mich letzte Woche auch schon angerufen, ob es okay wäre, wenn wir schon am Freitagabend kämen anstatt Samstag in der Früh. Ich meinte, das ist kein Problem. Sie meinte, sie würde es dann meinem Bruder Udo* mitteilen und dann war die Sache für mich okay.

Heute also dachte ich mir, rufe ich Udo an, um alles weitere abzuklären. Treffpunkt und so. Ich wusste, rufe ich nicht an, würden sie es tun – aber erst am Abend, getreu dem Motto “besser spät als nie”.

Ich: “Hey, und, wie sieht’s aus, wann fahren wir denn heute? Ich könnte so um fünf mit der Bahn von Stuttgart zu Euch fahren, ihr holt mich vom Bahnhof ab und dann geht’s mit dem Auto weiter. Hast Du schon mit dem Rest telefoniert?”
Udo: “Nee, noch nicht.”
(Bisschen Blablabla über anderes.)
Ich: “Okay, dann mache ich das und melde mich später. Aber halb sechs passt ja. Du fährst?”
Udo: “Ja. Mhmkay. Bis später!”

Ich rufe meine Schwester Lieselotte an. Sie geht nicht ran. Aber gut, was melde ich mich auch schon um kurz vor elf Uhr am Morgen, es sind ja Ferien. Also rufe ich meinen anderen Bruder Dagobert an.

Dagobert: “Mhm?” (Klingt verschlafen. Richtigen Beruf gewählt. FAULE SÄCKE!)
Ich: “Wir würden uns so um halb sechs am Bahnhof treffen. Ist das okay für Dich?”
Dagobert: “Okay, das passt. Hast Du schon alle abtelefoniert?”
Ich: “Ja, fast, ist unsere Schwester zufällig da?” (Dagobert und Lieselotte wohnen zusammen.)
Dagobert: “Nein, die ist bei ihrme Freund Paul. Kannst ihn anrufen, wenn sie nicht rangeht. Hast Du die Nummer?”
Ich: “Ja, sowieso, sie war ja mehrere Monate nur so erreichbar, weil sie ständig ihr Handy verloren hat.” (Meine Augenbraue zuckt.) “Okay, ich rufe sie nachher mal an, sie ging gerade eben schon nicht ran.”

Ich arbeite also noch ein bisschen und warte bis kurz vor zwölf und rufe sie auf ihrem Handy an.

Dagobert: “Äh, hallo? Du, Lieselotte hat ihr Handy natürlich hier in der Wohnung liegen lassen. Ruf doch mal Paul an.”
Ich: “Gnagnagnagna.” (Arbeitskollegen schauen mich komisch an.) “Deine Schwester ist echt wieder die Beste. Okay, mach ich.”

Ich wähle also die Nummer von Paul.

Ich: “Hallo Paul, wie sieht’s denn heute bei Euch aus? Udo würde uns um halb sechs am Bahnhof abholen. Passt das bei Euch? Ihr müsst ja auch erst mal mit dem Zug herfahren.”
Paul: “Hm, okay. Machen wir sechs, weil ich arbeite bis um halb fünf, da wird es etwas knapp.”
Ich: “Okay. Dann gebe ich dem Rest Bescheid.”

Ich rufe Dagobert an und gebe ihm Bescheid, dass wir also erst um sechs fahren, und rufe bei Udo an, um ihm das ebenfalls mitzuteilen. Er geht nicht ran, dafür die Freundin meines Vaters T.

T.: “Hallo?”
Ich: “Hallo T., ist Udo gerade in der Nähe?”
T.: “Der ist gerade nicht da, kann ich ihm irgendwas ausrichten?”
Ich: “Ja, dass wir uns statt um halb sechs erst um sechs am Bahnhof treffen. Er muss mich, Lieselotte und Paul vom Bahnhof abholen.”
T.: “Okay. Aber ich weiß nicht, wann Dein Vater heute vom Arbeiten nach Hause kommt. Das heißt, dass das Auto vielleicht erst später da ist.”
(Ich seufze genervt auf.)
Ich: “Okay. Kannst Du Udo sagen, er soll sich darum kümmern? Falls es sich verschiebt, kann er uns ja Bescheid geben, ansonsten sind wir um sechs am Start.”
T.: “Alles klar, ich richte es aus!”

Mal sehen, ob ich heute Abend noch ankomme.

* Alle Namen sind aus googletechnischen Gründen verändert worden. Die Freundin meines Vaters T. hat so schon einen altbackenen Namen, dass mir nichts wirklich besseres eingefallen ist.

flattr this!


Da sucht man die Kamera. Manche Lebenssituationen sind fast nicht zu glauben.
Organisation in der Familie. Immer wieder ein Erlebnis Oo

  

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mal ehrlich … Dagobert?

  

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Was T. vergessen hat mir mitzuteilen ist, dass ich Dagobert abholen muss und er nicht wie ihr am Bahnhof wartet. Gut zu wissen.

  

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buchstabenwelt: Organisation in der Familie. Immer wieder ein Erlebnis Oo

:liaf

buchstabenwelt: mal ehrlich … Dagobert?

Ich fand das gut. Hab das aus Effi Briest.

Udo: Was T. vergessen hat mir mitzuteilen ist, dass ich Dagobert abholen muss und er nicht wie ihr am Bahnhof wartet. Gut zu wissen.

Zu mir meinte er, er wartet auch am Bahnhof. Aber vielleicht hat er sich auch spontan an T. gewandt.

  

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Ich bin verwirrt. Wir werden ja sehen, ob er am Bahnhof steht ;)

  

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:D udo, liselotte und dagobert. ich lach mich tot. aber ja, das trifft ziemlich genau auf deine liebe familie zu, so wie ich sie kenne.
zum beispiel steht a.’s salatschüssel wohl immer noch bei euch. was ich aber nur erfahren habe weil a. sich nach ihr erkundigt hat. wobei liselotte noch im dezember meinte T. würde sie bei a. vorbei bringen…. ging wohl auch unter diese information.
für deine nächste namensrecherche emfehle ich dir firstname.de , da kannst du nach anfangsnamensteilen suchen…. bei T. muss ich allerdings sagen das auch nicht wirklich kreative vorschläge kommen….
du hast im übrigen vergessen zu erwähnen, dass wenn udo, liselotte oder dagobert halb sechs sagen, sie immer erst um frühestens viertel vor sieben wirklich da sind… :D muss wirklich sagen, dass bei dir das gen am wenigsten ausgeprägt ist, liebe Jennika*!

*name zu testzwecken von firstname.de geändert

  

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Ich hab jetzt die ganze Zeit darauf gewartet, dass jemand sagt “Heute? Wieso heute?”, aber das kann ja noch kommen. oO

Wegen den Namen: Ich denk bei Dagobert nicht an Effi Briest, sondern an Duck Tales. Na gut, hab Effi Briest auch nie gelesen (und bei uns in der Schule hätte ich das auch nicht sollen). Bei T. hättest du z.B. Trulla nehmen können. :-D Oder halt vom Originalnamen ausgehend Gerda oder so.

  

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Udo: Ich bin verwirrt. Wir werden ja sehen, ob er am Bahnhof steht ;)

We did it!

Mona: :D udo, liselotte und dagobert. ich lach mich tot. aber ja, das trifft ziemlich genau auf deine liebe familie zu, so wie ich sie kenne.

:D
Kein Kommentar.

Mona: du hast im übrigen vergessen zu erwähnen, dass wenn udo, liselotte oder dagobert halb sechs sagen, sie immer erst um frühestens viertel vor sieben wirklich da sind… :D muss wirklich sagen, dass bei dir das gen am wenigsten ausgeprägt ist, liebe Jennika*!

Jennika. Hahaha. Na ja, Pünktlichkeit ist eigentlich schon eine meiner Stärken, bei mir hakt’s dann eher an anderen Dingen.

Henning: Ich hab jetzt die ganze Zeit darauf gewartet, dass jemand sagt “Heute? Wieso heute?”, aber das kann ja noch kommen. oO

Nein, das gibt es heute nicht mehr, sozusagen eine Weiterentwicklung.

  

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