Stuttgart 21 hat unsere Gemüter bewegt. Was haben wir gelacht, uns angeschrien, Freundschaften beendet, weil wir uns nicht einig werden konnten, ob wir nun dafür oder dagegen sind.

Ich fasse mal zusammen: Es gibt die, die sich von Anfang an gewehrt haben, schon immer, noch bevor das Thema in den Medien war, montags demonstrieren gingen. Dann, etwas später, gab es die, die vom Medienspektakel angezogen wurden, auf die Demos gingen und dann “nach und nach” dagegen waren. (Man bemerkt Dinge ja oft erst, wenn sie “zu spät” sind.) Oder die, die schon “irgendwie” dagegen waren, das aber jetzt nie so demonstriert haben (schöne Doppeldeutigkeit, hach).
Dann gibt es die, denen Stuttgart 21 im Grunde scheißegal ist, die dann aber so angepisst von den Gegnern (oder auch: “Wutbürgern”) waren (“AAAHH! ÜBERALL STAU, ICH KOMM NIRGENDS DURCH, SCHEIß ÖKOS, DEMONSTRIERT WOANDERS!”), dass sie schon aus Prinzip gegen die Gegner waren und somit für Stuttgart 21. Und die, die nach der Wahlschlappe der CDU prinzipiell gegen Grün sind und alles was die machen (“Oh Gott, unsere Wirtschaft wird den Bach runtergehen!”).
Und dann gibt es noch die, denen das eigentlich wurscht sein kann, weil sie am Arsch der Welt wohnen, eigentlich selten nach Stuttgart direkt kommen und auch nie Bahn fahren und sowieso nur nachplappern. Endlich mal was los hier, endlich mal ein Prestige-Objekt. Die mag ich ja am meisten.

Ach ja. Und mittendrin ich. Ganz ehrlich, ich weiß nicht mehr, was ich eigentlich glauben soll. Wenn es um so etwas geht, pickt doch jeder seine besten Argumente raus, die er irgendwo aufgeschnappt hat, und der, der sich die besseren Argumente merken kann, gewinnt. Wer weiß eigentlich noch, was wahr ist? Ich habe wirklich keinen Plan mehr. Und die meisten anderen, die so neben mir herlaufen, haben es auch nicht. Wir streiten uns mit Fakten, die wir nicht wissen, und fühlen uns besser, wenn der Gegenüber klein beigeben muss.

Auch wenn der neue Bahnhof den Stresstest bestanden hat, frage ich mich (auch als von der Bahn abhängigen Menschen): Brauche ich einen Bahnhof, der komplett umgebaut wird? Reicht keine Sanierung, Erweiterung oder sonst was aus? Muss ich wirklich jahrelang in und mit einer Baustelle leben? Muss das wirklich so viel kosten? Muss ich damit leben, dass während des Baus meine Züge unregelmäßig kommen?
Ich denke da ganz egoistisch und sage immer: Ich persönlich brauche keinen Bahnhof, der irgendwie unter die Erde gelegt muss, um zu funktionieren und gut auszusehen. Ganz ehrlich. Und deshalb brauche ich kein Stuttgart 21.

Wenn es gebaut wird, beuge ich mich dem. Wenn es so sein soll, wenn es so abgestimmt wurde, ist es halt so. Kann ich nix machen. Brauch ich nicht randalieren oder Bauzäune einreißen. Dann werde ich es akzeptieren. Wenn es nicht gebaut wird: schön. Und bis das alles klar ist … genieße ich mein Stuttgart so, wie es (noch) ist.

flattr this!


Schöner Beitrag. Vieles auf den Punkt gebracht und finde, ohne jemand groß auf die Füße zu treten. Du bekommst weiterhin bei mir Asyl und Wein. Gratuliere.

  

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JENNY! Also bitte! Du musst hier jetzt gefälligst eine klare Meinung hervorbringen mit strukturierten Argumenten. Ansonsten wirst du noch als politisch ungebildet hingestellt!
Mich hat das Thema nie richtig interessiert, selbst als es in den Medien groß war. Ich bin selten in Stuttgart und werde es wohl in Zukunft auch nicht sein. Ich würde mich nur über die Undurchsichtigkeit der Ausführung ärgern, aber dazu geht mir das Thema inzwischen irgendwie nur noch auf die Nerven.

  

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buchstabenwelt: Vieles auf den Punkt gebracht und finde, ohne jemand groß auf die Füße zu treten.

:kls

Uwe: JENNY! Also bitte! Du musst hier jetzt gefälligst eine klare Meinung hervorbringen mit strukturierten Argumenten. Ansonsten wirst du noch als politisch ungebildet hingestellt!

:liaf

  

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Das ist meiner bescheidenen Meinung nach die einzig wahre Position, die man dazu haben kann. Das sagt sich sicherlich deutlich leichter, wenn man mit Stuttgart nix am Hut hat (wie ich), trotzdem halte ich das für wahr.

  

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